45-jähriger Angeklagte schuldig

Siebeneinhalb Jahre Haft nach Totschlag

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Staatsanwaltschaft und Nebenkläger forderten elf Jahre Haft für den Angeklagten.

Kiel - Von Karen Katzke. Tödliches Ende eines Familiendramas in Rendsburg: Wegen Totschlags an seinem Ex-Schwiegervater muss ein 45-jähriger Angeklagter siebeneinhalb Jahre in Haft. Das Kieler Landgericht sprach den Mann am Montag schuldig, in einem Gewaltausbruch den Vater seiner Ex-Frau im Oktober 2018 vor einer Schule in Rendsburg erschlagen zu haben. Das Opfer erlag demnach wenige Tage später einem schweren Schädel-Hirntrauma und multiplem Organversagen.

Wie viele wuchtige Schläge mit dem Griff eines Teleskopschlagstocks den Schädel des 64-jährigen Ex-Schwiegervaters letztendlich zertrümmerten, konnte das Schwurgericht nicht sicher feststellen. Es seien „mindestens sechs bis acht Schläge gewesen“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann unter Verweis auf das gerichtsmedizinische Gutachten. Die Anklage war von mindestens zehn Schlägen ausgegangen.

Dem tödlichen Gewaltausbruch waren jahrelange Streitigkeiten mit körperlichen Auseinandersetzungen und Gewaltandrohungen zwischen dem Angeklagten und der Familie seiner Ex-Ehefrau vorangegangen, stellte Brommann fest. Sie eskalierten am Tattag, als der Angeklagte und sein Ex-Schwiegervater an der Schule aufeinandertrafen. Dabei schlug der 64-Jährige zunächst gegen ein Seitenfenster des vorbeifahrenden Taxis des Angeklagten.

Als dieser sich ihm näherte soll der Mann mit dem Schlagstock die Schulter des Angeklagten getroffen haben. Im anschließenden Gerangel hatte der Ältere laut Urteil dann aber keine Chance: Der Angeklagte entwand ihm die Waffe und schlug auf den Kopf des bäuchlings daliegenden Opfers ein. „Die Tatausführung war schlicht von Wut und Hass getragen“, sagte Brommann. Das Gericht ging dabei von einem zumindest bedingtem Tötungsvorsatz des Angeklagten aus. Die Kammer wies damit die Darstellung des Angeklagten als unglaubhaft zurück, er habe in Panik und Notwehr reagiert.

Der Angeklagte könne sich trotz des Angriffs nicht auf Notwehr berufen. „Er wusste, dass er direkt in eine gewaltsame Auseinandersetzung zusteuerte“, sagte Brommann. Der Vater dreier Kinder habe seinen Gewaltausbruch auch nicht gestoppt, nachdem er seinem Ex-Schwiegervater den Schlagstock entwunden habe. Am Ende lag das Opfer mit zertrümmertem Schädel in einer Blutlache, in der die Spurensicherung Knochensplitter fand. Der Streit fand vor Augenzeugen statt, die den Angeklagten kannten, ihn aber nicht stoppen konnten.

Der 64-Jährige hinterlässt zwei erwachsene Kinder und seine Ehefrau. Alle drei sind Nebenkläger in dem Verfahren. Mit dem Urteil blieb das Schwurgericht deutlich unter den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die elf Jahre Haft gefordert hatten. Die Verteidigung hatte auf nicht mehr als drei Jahre Gefängnis plädiert. Sie kündigte bereits an, Revision zu prüfen. 

dpa

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