Comic-Oper „Die Reise nach Reims“ 

Singen mit Cartoons

Lübeck - Bei den Premieren von Gioacchino Rossinis Oper „Die Reise nach Reims“ am Samstag in Kiel und am 5. Februar in Lübeck bekommt die musikalische Vortragsbezeichnung „animato“ (belebt) eine ganz neue Bedeutung. Denn in dieser Oper agieren reale Sänger gemeinsam mit Figuren eines Animationsfilms auf der Bühne.

Gezeichnet hat den Film der italienische Cartoonist Joshua Held. Seine Figuren bilden den Hintergrund, greifen jedoch auch kommentierend ins Geschehen ein. Bei normaler Filmmusik folge die Musik dem Film, sagte Held. Bei der Comic-Oper folge jedoch der Film der Musik, sagt er.

Eine Postkutsche rumpelt über eine Landstraße, ein schnauzbärtiger Herr weist den Reisenden den Weg nach Reims und im Badehotel „Zur goldenen Lilie“ führt eine schwarz gekleidete Dame ein strenges Regiment. Etwa ein Jahr lang hat Held an dem Film gearbeitet, der die zwei Stunden und 45 Minuten lange Oper, eine Gemeinschaftsproduktion der Theater Kiel, Lübeck und Verona, begleiten wird.

Von Anfang an haben der 49 Jahre alte Cartoonist und der Regisseur der Oper, Pier Francesco Maestrini, sehr eng zusammengearbeitet. „Wir haben immer wieder die Musik angehört, Ideen zu den verschiedenen Personen entwickelt und für jede Szene eigene Bewegungen entworfen“, schildert Held das Vorgehen. Die intensive Zusammenarbeit sei sehr wichtig gewesen, sagt Held. „Das ist wie beim Zweikomponentenkleber, der nur durch das Zusammenwirken beider Bestandteile funktioniert.“

Held und der 52 Jahre alte Maestrini sind ein eingespieltes Team. Beide leben in Florenz und kennen sich seit Jahrzehnten. Ihre erste Comic-Oper war Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Jahr 2010, 2015 folgte eine Neufassung für Verona.

Das Konzept der „Reise nach Reims“ sei jedoch anders, sagt Maestrini bei der Vorstellung erster Szenen in Lübeck. „Beim ‚Barbier‘ waren auch die Hauptdarsteller auf der Bühne wie Comicfiguren kostümiert. Bei der ‚Reise nach Reims‘ sehen sie aus wie normale Menschen“, erklärt er.

Damit der Film auch tatsächlich der Musik folgt, besteht das Video aus rund 500 Einzelsequenzen, die in Echtzeit zusammengefügt und eingespielt werden können. „So können wir während der Vorstellung auf Tempowechsel in der Musik reagieren“, sagt Held. - dpa

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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