Eine Woche nach dem Start der Sommerferien in Hamburg und Berlin prangern Sylt-PendlerPlatzmangel an.
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Eine Woche nach dem Start der Sommerferien in Hamburg und Berlin prangern Sylt-PendlerPlatzmangel an.

Sylt-Pendler klagen zu Beginn der Sommer-Saison wieder über Platzmangel

Situation auf der Marschbahnstrecke „unhaltbar“

Sylt – Dichtes Gedränge in den Zügen, lange Wartezeiten am Bahnsteig: Rund eine Woche nach dem Start der Sommerferien in Hamburg und Berlin prangern Sylt-Pendler und Bürgermeister auf der Urlaubsinsel die „unhaltbaren Zustände“ auf der Marschbahnstrecke an. Dabei hatten die Bahn und das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium mit einer sogenannten Sommeroffensive mehr Sitzplätze für Berufspendelnde und Urlaubsreisende von und nach Sylt versprochen.

„Es ist zu voll: Wenn statt zehn bis zwölf Waggons nur sechs angekoppelt sind, stehen wir in den Gängen und vor den Türen dicht beieinander, teilweise nur 40 bis 50 Zentimeter voneinander entfernt“, sagte Achim Bonnichsen, Sprecher der Sylter Pendler-Initiative. In den Sommermonaten pendeln demnach bis zu 5 500 Menschen täglich vom Festland zur Arbeit über den Hindenburgdamm. Zu kurz seien besonders die Züge, die morgens und am frühen Abend von vielen Pendlern genutzt werden. Im Hinblick auf die Delta-Variante des Coronavirus sei das kein schönes Gefühl.

Von der versprochenen Aufstockung um täglich 8 500 zusätzliche Plätze in der Marschbahn sei „nicht mehr viel zu spüren“, schrieben die Inselbürgermeister, der Dehoga-Bezirksverband Sylt, der Verein Sylter Unternehmer sowie die Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) am Dienstag an den schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP).

Zunächst sei die Sommeroffensive am 7. Mai zwar gut angelaufen. Das habe sich aber mit Beginn der Sommerferien geändert. „Stattdessen beobachten wir verkürzte Zugleistungen – insbesondere zu den pendlerrelevanten Zeiten, eine Zunahme technischer Ausfälle, Schwierigkeiten beim Einsatz der bereitstehenden Betriebsreservezüge und in der Folge erneut regelmäßige Verspätungen.“

In dem Schreiben fordern die Verfasser vom Verkehrsminister „entschieden auf die DB Regio einzuwirken und die vom Land beauftragten Kapazitäten nicht nur einzufordern, sondern auch auf eine konstant-zuverlässige Leistung zu drängen“.

Verkehrsstaatssekretär Thilo Rohlfs bestätigte am Donnerstag die teils massiven Verspätungen und Ausfälle der vergangenen Woche. Die Ursache dafür seien Signal-, Weichen- und Bahnübergangsstörungen sowie Schäden an einigen Doppelstockwagen.

Die Zuständigkeit sieht er jedoch anderswo: „Für die Leistung auf der Schiene ist aber DB Regio verantwortlich.“ Von den 8,7 Millionen Euro Gesamtkosten für die Ausweitung der Kapazitäten trage das Land rund 4,4 Millionen Euro, sagte Rohlfs. Kiel erwarte „jetzt von der DB Regio, dass sie das auch auf Schiene bringt“. Trotzdem sei die Sommeroffensive eine Verbesserung und die gehäuften Probleme bedauerlich. „Ich verstehe jeden Pendler, der sich darüber ärgert.“

Dass es besonders in der vergangenen sowie seit Beginn dieser Woche Probleme auf der Strecke gab, räumt die Deutsche Bahn (DB) auf Nachfrage ein. „Grund dafür waren vor allem Fahrzeugstörungen an den Doppelstockwagen sowie Störungen an der Infrastruktur“, sagte eine DB-Sprecherin. Diese Wagen mit mehr Sitzplätzen fehlen jetzt – Reservezüge können diese Ausfälle demnach nur bedingt kompensieren. Seit Freitag sollen die reparierten Doppelstockwagen laut Bahn wieder im Einsatz sein, damit soll die volle Zahl an Plätzen zur Verfügung stehen.

Zwischen Hamburg und Westerland sollen bis zum 1.  November täglich rund 4 000, zwischen Niebüll und Westerland rund 8500 zusätzliche Sitzplätze pro Tag zur Verfügung stehen.

Von Lea Pischel

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