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Dieselpreise setzen Fischern zu: „Situation ist katastrophal“

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Ein Fischkutter ist auf der Nordsee vor der Insel Pellworm zu sehen.
Viele Kutter bleiben wegen der hohen Spritkosten in diesen Tagen in den norddeutschen Häfen liegen. © DPA

Wegen des enormen Preisanstiegs für Schiffsdiesel lohnen für die Fischer an der Nord- und Ostsee die Fangfahrten zurzeit nicht. Die Kutter bleiben oft in den Häfen. Erzeugergemeinschaften und Verbände fordern schnelle Hilfen der Politik - doch wie könnte die aussehen?

Greetsiel/Kröslin – Die hohen Spritpreise belasten die Fischer an Nord- und Ostsee schwer. „Das Verhältnis Fisch zu Diesel stimmt nicht mehr“, sagt Holger Müller im Hafen des Fischerdorfs Freest in Mecklenburg-Vorpommern. Acht Stunden sei er am Dienstag unterwegs gewesen. „Da sind 80 Liter weg. Für 300 Kilo Fisch.“ Wegen der hohen Spritkosten bleiben in diesen Tagen viele Kutter in den norddeutschen Häfen liegen. Ob in Freest, in Greetsiel in Niedersachsen oder in Büsum in Schleswig-Holstein – überall das gleiche Bild. Verbunden mit der drängenden Frage für die Fischer: Wie soll das weitergehen?

Seit Beginn des Ukraine-Krieges am 24. Februar haben die Spritpreise in Deutschland enorm zugelegt. Das gilt auch für Schiffsdiesel, der weitgehend steuer- und zollfrei ist. Der Preis je Liter hat sich in den vergangenen Wochen nach Angaben des Deutschen Fischerei-Verbands (DFV) verdoppelt. Das heißt: Für einen Liter müssen die Fischer in diesen Tagen zwischen 1,30 an der Ostsee und 1,50 Euro an der Nordsee bezahlen. Vor einem Jahr lag der Preis noch zwischen 40 und 60 Cent.

So sei derzeit keine wirtschaftlich auskömmliche Fischerei möglich, sagt Verbandssprecher Claus Ubl auf Anfrage. Eine große Zahl von Fischern stelle daher den Betrieb ein. Viele würden in Kürze folgen, sobald der gebunkerte Treibstoff aufgebraucht sei. Es gibt demnach auch erste Insolvenzen. „Die Situation ist dramatisch“, sagt Ubl.

„Aktuell lohnt es sich nicht“, berichtet auch Michael Schütt von der Fischereigenossenschaft Peenemündung in Freest. Der Diesel koste mehr als das, was auf dem Markt für ein Kilo Hering bezahlt werde. Fischer Müller, der für die Genossenschaft unterwegs ist, sagt: „Wenn die Heringssaison im April vorbei ist, werden wir die Fischerei wohl vorerst an den Nagel hängen.“

Für die schwer gebeutelte Ostseefischerei kommt der hohe Spritpreis zur Unzeit. Wegen dezimierter Fischbestände und drastisch gesunkener Fangmengen bei Hering und Dorsch steckt die Branche seit Jahren in der Krise. In der Corona-Pandemie sank zudem der Absatz. Sichtbar wird die Dauerkrise an den Strukturen: Die Zahl der Berufsfischer sinkt beständig. Zuletzt hatte der Kutter- und Küstenfischerverband Mecklenburg-Vorpommern daher auch seine Auflösung beschlossen.

An der Nordseeküste machen die stark gestiegenen Spritpreise vor allem den Krabbenfischern zu schaffen: „Für diesen Dieselpreis kann keiner rausfahren“, sagt der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer (EzDK), Dirk Sander. Dabei steht gerade jetzt im März und April eigentlich der Saisonstart an. „Wenn noch einer fährt, dann nur solange, bis der Tank leerläuft“, sagt Sander, dessen Erzeugergemeinschaft rund 100 Betriebe zwischen Sylt in Schleswig-Holstein und Ditzum in Ostfriesland vertritt.

Die Treibstoffkosten machen laut DFV in der Krabbenfischerei in der Regel 10 bis 20 Prozent des Umsatzes aus, bei Schleppnetzfischern rund 30 Prozent. Nun seien es 50 bis 60 Prozent, rechnet Sander vor. Hinzu kämen noch der Lohn der Matrosen, Kosten für den Betrieb, den Unterhalt der Kutter und der Verdienst des Fischers selbst.

Bei den Krabbenfischern der zweiten großen Erzeugergemeinschaft, den Küstenfischern der Nordsee, ruht der Betrieb ebenfalls weitgehend. „Die Situation ist katastrophal“, sagt Geschäftsführer Günter Klever. Selbst während der Ölkrise in den 1970er-Jahren sei der Dieselpreis nicht so durch die Decke gegangen. An der schleswig-holsteinischen Küste stehen demnach drei Betriebe bereits vor der Pleite – bei einem Betrieb in Büsum sei immerhin ein Investor in Aussicht, sodass die Insolvenz wohl vermieden werden könne.

Aus Sicht der Fischer muss eine schnelle Entlastung her: „Ansonsten droht den wenigen verbliebenen Ostsee-Fischern das Aus“, sagt Schütt. Das sehen auch die Krabbenfischer an der Nordseeküste so. „Wenn da nicht schnell Hilfe kommt, dann erwischt es eine Vielzahl von Betrieben. Das wird nicht mehr lange gut gehen“, sagt sein Kollege Klever.

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