Museen bemühen sich um Inklusion 

Nicht immer einfach: Vom Bus zur Skulptur kommen

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Schloss Gottorf ist der Sitz von gleich zwei Landesmuseen: Gerade bei älteren Gebäuden kann es für Menschen mit Behinderungen sehr schwierig sein, überhaupt den Weg bis zur Eingangstür zu bewältigen.

Kiel - Rampe für Rollstuhlfahrer? Ja, meistens. Informationen in Blindenschrift? Eher selten. Bei der Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung haben die Museen in Schleswig-Holstein noch großen Nachholbedarf. Doch es gibt Fortschritte.

Gut die Hälfte der Museen habe sich aktiv auf den Weg zur Inklusion gemacht, sagte der Behindertenbeauftragte des Landes, Ulrich Hase, gestern in Kiel. Es gebe nach seiner Einschätzung bisher aber noch keines, das alle Bedürfnisse von behinderten Menschen befriedigen würde. „Davon sind wir noch weit entfernt“, sagte Hase.

Eine Studie kam zu dem Schluss, dass in den Museen zwar anerkannt ist, dass Barrierefreiheit und Inklusion wichtig sind. Doch die Umsetzung halte sich noch in einem „eher bescheidenen Rahmen“, heißt es in der Studie der Kulturgenossenschaft Digicult-Verbund. Oft resultieren Probleme auch daraus, dass sich viele Museen in denkmalgeschützten älteren Gebäuden befinden. Der Bedarf an Maßnahmen ist aber nicht wegzudiskutieren: In Schleswig-Holstein leben 520.000 Menschen mit Behinderung. Zunehmend kämen ältere und behinderte Menschen als Besucher in die Kulturstätten.

Für die Studie hat Digicult 263 Häuser angeschrieben, 105 antworteten. Dabei wird deutlich: Bereits beim Betreten der Museen tauchen Hindernisse auf. 88 der Häuser sind mit dem Nahverkehr erreichbar, 74 haben barrierefreie Wege von der Haltestelle zum Gebäude. Aber nur 43 Museen haben ausgewiesene barrierefreie Eingänge und lediglich 14 selbstöffnende Türen. In 36 Museen sind alle Bereiche für Rollstuhlfahrer zugänglich.

Rampe oder Treppe? Besser die Wahl als die Qual haben.

Oft werden auch die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung nicht hinreichend berücksichtigt. Nur zwei Museen bieten ein taktiles oder akustisches Leitsystem. Die Autoren der Studie nehmen an, dass die Situation in vielen der Museen, die nicht teilnahmen, noch schwieriger ist.

Positive Beispiele aus seinem Haus nannte der Direktor des Museumsbergs Flensburg, Michael Fuhr. Hier sei ein spezieller Raum eingerichtet worden, in dem Blinde und Sehbehinderte Skulpturen ertasten können. Ein anderer Raum wurde von Gymnasiasten gestaltet und bietet akustische Eindrücke und Düfte zur Wahrnehmung.

Damit Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt Kulturangebote wahrnehmen können, müsse Kunst möglichst barrierefrei präsentiert werden, sagte der Landesbeauftragte Hase. Das beginne bei der Anbindung an die öffentliche Infrastruktur und geht weiter über Museumsführer in leichter Sprache bis hin zu Smartphone-Apps für Blinde und Gehörlose. In denkmalgeschützten Gebäuden, bei niedrigen Budgets und dünner Personaldecke sei das durchaus schwierig. Um die Museen stärker für die Bedürfnisse von Behinderten zu sensibilisieren, gibt es mittlerweile eine Fortbildungsreihe „Das inklusive Museum“, die zu 80 Prozent vom Land finanziert wird. Aus Schleswig--Holstein beteiligten sich daran in diesem Jahr elf Museen.  

dpa

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