Bezahlter Urlaub an katholischen Feiertagen

Sonderurlaub für Nordlichter

Lübeck - Für viele Arbeitgeber ist der Reformationstag als neuer gesetzlicher Feiertag ein rotes Tuch. Zu teuer für die Wirtschaft, sagen Unternehmensverbände. Die Agenturgruppe MSM.digital mit Standorten in Lübeck, Hamburg, Berlin und Nürnberg führt auch für ihre Mitarbeiter in Norddeutschland die in Bayern üblichen katholischen Feiertage ein. Erstmals kommen die rund 60 Beschäftigten im Norden am 1. November (Allerheiligen) in den Genuss dieser Neuregelung. Ziel sei es, alle Beschäftigten des Unternehmens gleich zu behandeln und dadurch deren Motivation zu fördern, sagt Firmengründer und Geschäftsführer Markus Oeller.

Neben Allerheiligen haben die MSM-Mitarbeiter künftig auch am 6. Januar (Heilige Drei Könige), am 15. August (Mariä Himmelfahrt) und am beweglichen Feiertag Fronleichnam frei. „Auch wir haben das Problem, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten“, sagt Oeller. „Andere Unternehmen bieten ihren Angestellten Dienstwagen, freie Getränke oder freies Mittagessen. Wir halten die zusätzlichen freien Tage für nachhaltiger, denn über die freut man sich jedes Mal aufs Neue“, sagt Oeller.

Aus Gründen der Ungerechtigkeit sei im Juni dieses Jahres die Idee entstanden, die bayrischen Feiertage auch für die Niederlassungen im Norden zu übernehmen. „Die verbuchen wir als zusätzliche Urlaubstage an festen Terminen bei vollem Gehalt“, erläutert der Mitgründer des Unternehmens, Torsten Oppermann.

Die Marketing-Agentur hat insgesamt knapp 100 Mitarbeiter, davon 40 in Bayern. Rund 8. 000 Euro im Jahr koste die neue Feiertagsregelung das Unternehmen, sagt Oeller. „Doch neben den reinen Zahlen zählt für uns auch die Mitarbeiterzufriedenheit und die hat definitiv zugenommen“, sagt er. „Die Höhe des Gehaltes ist schon lange nicht mehr der ausschlaggebende Punkt für eine Zusammenarbeit. Vielmehr geht es häufig um weitere Anreize wie Firmenwagen, Smartphones oder flexible Arbeitszeiten“, sagt Schulze. Der Trend gehe zu individuellen Lösungen, die Mitarbeiter und Arbeitgeber vereinbarten.

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist MSM.digital das einzige Unternehmen im Kammerbezirk, das seinen Mitarbeitern an katholischen Feiertagen Sonderurlaub gewährt. „Das ist eine einzelbetriebliche Entscheidung, die wir nicht kommentieren können“, sagt IHK-Sprecher Can Özren.

„Vor allem im produzierenden Bereich bedeutet jeder zusätzlich Feiertag zusätzliche Kosten“, sagt Özren. „Zur Fachkräftesicherung bieten sich andere Maßnahmen an, etwa ein betriebliches Gesundheitsmanagement für eine bessere Work-Life-Balance“.

fdpa

Rubriklistenbild: © picture alliance/Frank Molter/dpa

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