Sorge um Insekten und Küstenvögel 

Umweltminister Albrecht stellt den Jahresbericht zur Artenvielfalt vor

Kiel - Viele Insekten sind verschwunden, Küstenvögel müssen um das Überleben kämpfen, und Wildschweine gibt es zuviel – der Jahresbericht von Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zur biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein (früher: Jagd- und Artenschutzbericht) offenbart die unterschiedlichsten Facetten.

Die Intensivierung der Landwirtschaft und der Ausbau der Infrastruktur stellten die Artenvielfalt weiterhin unter hohen Druck, bilanzierte Albrecht am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts. „Es sind viel Mut, Engagement und Kreativität erforderlich, um dem Schwund der Artenvielfalt in unserem Lande entgegenzuwirken.“

Ein auffälliges Ergebnis: Im Jagdjahr 2017/2018 erlegten die Jäger 19.000 Wildschweine und damit so viele wie noch nie. Damit wurde das Vorjahresergebnis von 15.000 Stück klar übertroffen. „Hier zeigt sich, dass unsere Präventionsmaßnahmen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest Wirkung zeigen“, kommentierte Albrecht. Er dankte allen Jägern für deren Engagement. „Angesichts der immer näher rückenden Tierseuche sind aber auch weiterhin erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die Schwarzwilddichte im Land weiter zu reduzieren.“

Schwerpunkt des diesjährigen Berichtes sind der Meeres- und Küstennaturschutz sowie der Schutz von europaweit zum Teil stark gefährdeten Wiesen- und Küstenvogelarten. Besonders bedroht sind unter anderem die Uferschnepfe, die Bekassine und verschiedene Seeschwalbenarten. „Schleswig-Holstein hat aufgrund seiner Lage eine hohe Verantwortung für den Erhalt der im Küstenbereich lebenden Vögel“, betonte Albrecht. Allein von der Uferschnepfe brüte etwa ein Viertel der deutschen Bestände in Schleswig-Holst. Zum besseren Schutz vor Beutegreifern wie Fuchs, Marder und Waschbär wurde ein neues Konzept entwickelt. Ihnen sollen Gräben, Zäune und Brutinseln den Zugang zu Brutgebieten erschweren. Darüber hinaus werden sie in bestimmten Gebieten stärker bejagt.

Angesichts des verheerenden Insektensterbens fordert der Kieler Minister, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln drastisch zu verringern. Er wolle eine Landesstrategie auf den Weg bringen, in die besonders auch die Landwirte und die Gartenbesitzer eingebunden würden. „Bei der Reform der Europäischen Agrarpolitik sollen entsprechende Förderprogramme auf Landesebene konzipiert werden.“

Das Insektensterben berühre viele Menschen emotional, sagte Albrecht. „Gerade der Verlust der Artenvielfalt am konkreten Beispiel der Bienen und Schmetterlinge ist für jedermann sichtbar – ob im eigenen Garten oder beim Spaziergang in der Landschaft.“ Hier werde deutlich, dass das Ökosystem aus dem Gleichgewicht gerate und die Zerstörung ganzer Nahrungsnetze drohe. Eine Menge Projekte sind auf dem Weg. 

dpa

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