Im Prozess um falsche Polizisten geht es mit den Plädoyers weiter

Staatsanwalt fordert Haftstrafen

Am Landgericht Kiel müssen sich drei Männer verantworten, weil sie Senioren um ihr Vermögen betrogen haben. Foto: dpa

Kiel – Im Prozess um die Masche mit falschen Polizisten, die Senioren um ihr Vermögen betrügen, hat der Staatsanwalt mehrjährige Haftstrafen für zwei der drei Angeklagten gefordert. Ein 34-Jähriger, der demnach im Auftrag von Drahtziehern aus der Türkei die beiden Mittäter anwarb, soll wegen schweren Betrugs dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Sein 26 Jahre alter Komplize müsse wegen Betrugs zweieinhalb Jahre in Haft. Glimpflich soll ein 32-Jähriger davonkommen, der bei der Tat in der Nähe Schmiere gestanden hat. Für ihn beantragte der Staatsanwalt in Kiel am Montag wegen Beihilfe eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro.

Die Anklage wirft den drei weitgehend geständigen Männern vor, im Oktober 2017 als Polizeibeamte getarnt einen 88-Jährigen aus Norderstedt (Kreis Segeberg) um 185 000 Euro gebracht zu haben. Mittäter aus der Türkei hätten das Opfer als angebliche deutsche Ermittlungsbeamte tagelang telefonisch mit der Drohung unter Druck gesetzt, sein Vermögen befinde sich in akuter Gefahr. Schließlich habe der Senior das Geld bei seiner Bank abgehoben und es dem 26-Jährigen als vermeintlichem Polizeibeamten ausgehändigt. Von dem Betrag soll der 34-Jährige 10 000 Euro erhalten haben. Seinen Mittätern reichte er demnach 1 200 Euro und 600 Euro weiter. Der Rest soll zu den Drahtziehern in die Türkei gebracht worden sein.

Der Staatsanwalt sprach von schwerwiegenden Taten, die der organisierten Kriminalität zuzuordnen seien. Der Ankläger forderte, bei beiden Haupttätern jeweils 185 000 Euro einzuziehen. Der 34-Jährige hatte den Kopf tief gesenkt und zitterte während der Verhandlung am ganzen Körper. Das Urteil soll nun nach den Plädoyers der drei Verteidiger am 27. Mai verkündet werden.  dpa

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