Startsignal für die Elbvertiefung

Drücken gemeinsam den symbolischen Startknopf zum Auftakt des Fahrrinnenausbaus für die Elbvertiefung: Christopher Iwens, Michael Westhagemann, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Jan Pörksen, Angela Titzrath, Hans-Heinrich Witte und Maximilian Rothkopf (von links). Foto: Axel Heimken/dpa

Viele gutgelaunte Herren sind auf der Elbe zusammengekommen, um endlich das Startsignal zur Elbvertiefung zu geben. Aber auch auf den letzten Metern begleiten Proteste von Umweltschützern das umstrittene Projekt.

VON ECKART GIENKE

Wedel – Die Saugbagger sind seit am Dienstag bei der Arbeit. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Vertreter des Hamburger Senats und der Wirtschaft haben um 13.51 Uhr mit einem Knopfdruck das symbolische Startsignal für die Vertiefung der Elb-Fahrrinne zum Hamburger Hafen gegeben. Daraufhin senkte sich der Saugrüssel des Baggerschiffs „Scheldt River“ in die Elbe und begann mit der Arbeit. Neben den Maßnahmen in der Hansestadt wird außerdem eine Begegnungsbox für Schiffe im schleswig-holsteinischen Wedel gebaut. Nach 17 Jahren Planung und langwierigen juristischen Auseinandersetzungen sei dies ein großer Tag für den Norden und ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit des Hamburger Hafens, hieß es in mehreren Ansprachen anlässlich des Festaktes.

Umweltschützer demonstrieren in Wedel

Kritiker der Elbvertiefung, die vielleicht die fröhliche Stimmung getrübt hätten, waren nicht an Bord des Ausflugsschiffes „Hammonia“. Die Natur- und Umweltverbände demonstrierten am Anleger in Wedel im Landkreis Pinneberg und waren auch am Baggerschiff auf der Elbe mit Booten und Transparenten präsent. Sie sehen das Projekt auch nach ihren verlorenen Schlachten als überflüssig an und befürchten verheerende Auswirkungen für die Naturlandschaft der Unterelbe und ihre Pflanzen- und Tierwelt. Die Verbände sind dafür, dass besonders große Schiffe nicht mehr die Elbe hinauffahren, sondern ihre Ladung zum Beispiel in Wilhelmshaven löschen, einem Seehafen mit tiefem Wasser.

„Die Elbvertiefung ist das bestgeprüfte und meistbegutachtete Infrastrukturvorhaben in Deutschland“, hielt Scheuer dem entgegen. Insgesamt 13 Klagen und Prozesse seien am Ende rechtskräftig entschieden worden, alle Bedenken der Gerichte ausgeräumt. „Das ist keine Hamburger oder norddeutsche Investition“, sagte der Minister. „Hamburg ist auch der größte Exporthafen für Bayern.“ Hans-Heinrich Witte, der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, wies darauf hin, dass rund 15 Prozent der Gesamtkosten der Elbvertiefung für Umwelt- und Naturschutz ausgegeben würden.

Künftig sollen Schiffe mit einem Tiefgang von rund 13,50 Meter unabhängig von Ebbe und Flut den Hamburger Hafen erreichen oder verlassen können. Auf der Flutwelle darf der zulässige Tiefgang 14,50 Meter betragen.

Zudem wird die Fahrrinne verbreitert und eine Begegnungsbox für Schiffe bei Wedel gebaut. Damit wird aus einer Einbahnstraße ein Schifffahrtsweg, der in beiden Richtungen befahren werden kann. Insgesamt könnten durch die Elbvertiefung bis zu drei Millionen Container zusätzlich nach Hamburg gelangen, ohne dass die Reedereien mehr Schiffe einsetzen müssten.

Gunther Bonz, der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg und damit Sprecher der Hafenwirtschaft, fand allerdings auch im Rahmen einer eher heiter und harmonisch angelegten Feierstunde die Gelegenheit für mahnende Worte. Die Elbvertiefung sei geplant für Schiffe mit 350 Metern Länge, 47 Meter Breite und 14,50 Meter Tiefe. Ein großes Containerschiff messe aber heute 400 Meter Länge, 60 Meter Breite und erreiche einen Tiefgang von 16 Metern. „Eigentlich müssten wir den Startschuss für das nächste Projekt geben“, sagte Bonz.

Die Hafenwirtschaft strebe allerdings stattdessen eine Begrenzung der Schiffsgrößen an. Es sei nicht länger tragbar, dass zugunsten kleiner betriebswirtschaftlicher Vorteile bei den Reedereien die Steuerzahler in Europa immer größere Hafenanlagen und tiefere Zufahrten mit Millionenbeträgen finanzieren müssten. Die aktuelle Elbvertiefung soll 776 Millionen Euro kosten. „Wenn es im Rahmen der Elbphilharmonie bleibt, ist alles gut“, sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann.

Bereits seit Beginn des Jahres liefen vorbereitende Arbeiten für die Elbvertiefung. So wurden im Strombett große Deponieflächen für das Baggergut angelegt. Bei dem Projekt, einer der größten Flussbaumaßnahmen weltweit, werden bis zu 40 Millionen Kubikmeter Baggergut bewegt. Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2021 abgeschlossen sein.  dpa

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