Im Nest erfroren

Storchennachwuchs 2017 gering – nur jede vierte Brut überlebt

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Es kommt für das Überleben der Störche vor allem darauf an, welche Route ihre Eltern genommen haben: Kommen Vögel über die schnelle Westroute in den Norden, haben sie bessere Chancen auf Nester und Futter. 

Bergenhusen - Von Matthias Hoenig. 2017 ist ein schlechtes Storchenjahr. Wegen heftiger Regenfälle im Juni haben viele Jungstörche in Schleswig-Holstein nicht überlebt, sagen Jörg Heyna und Uwe Peterson von der Nabu-Arbeitsgruppe Storchenschutz. Jetzt sammeln sich viele Jungstörche, um noch vor den alten Störchen gen Süden zu ziehen. Ende August ist stets der Höhepunkt ihres Vogelzuges.

„Etwa 358 Jungstörche sind in diesem Jahr in Schleswig-Holstein flügge geworden – kaum mehr als die 344 Jungvögel im Jahr 2016, das ebenfalls schon schlecht gewesen war“, zieht Heyna Bilanz. In den beiden Jahren zuvor waren jeweils über 500 Jungvögel gezählt worden – also rund ein Drittel mehr.

Bei monsunartigen Regen ertrinken Jungtiere im Nest

„Am 7. Juni und am 30. Juni prasselte im Norden monsunartiger Regen, teils 80 Liter in 24 Stunden pro Quadratmeter“, sagt Peterson. „Am 7. Juni hatten viele Jungvögel noch kein gewachstes Gefieder, sondern noch Dunen – die nicht wasserabweisend sind. In den vollgelaufenen Nestern sind die durchkühlten Jungvögel dann umgekommen.“ Rund 1 400 Eier haben die etwa 278 Brutpaare schätzungsweise gehabt, doch nur aus jedem vierten Ei wurde am Ende ein flugfähiger Storch.

Im Jahr zuvor hatte es zu wenig Mäuse in Schleswig-Holstein gegeben – die Hauptnahrung für Störche. Außerdem seien bei Revierkämpfen durch späte Heimkehrer Jungvögel getötet oder Gelege zerstört worden. Dieses Problem hat sich laut Peterson auch 2017 fortgesetzt. Hintergrund ist, dass immer mehr Störche über die mit 4 000 Kilometern vergleichsweise kurze sogenannte Westroute aus Nordafrika, aber immer öfter auch aus Spanien über Frankreich in den Norden kommen. „Diese Störche sind oft früher da als jene, die über die bis zu 10 000 Kilometer lange Ostroute kommen“, erläutert Peterson. Früher seien viel mehr Störche über die „Ostroute“, die über den Balkan nach Israel, den Sinai und Ägypten bis nach Südafrika reicht, geflogen.

Stabiler Bestand an Brutpaaren

Wenn dann sogenannte Westzieher schon Nester belegen, die eigentlich Ostziehern gehörten, kann es zu heftigen Kämpfen zwischen den Tieren kommen. „Normalerweise kommen Störche Ende März. Der erste Storch ist schon am 26. Januar bei uns gesehen worden“, sagt Peterson. Inzwischen deute sich die Tendenz an, dass Störche gar nicht mehr gen Süden ziehen, sondern in Schleswig-Holstein bleiben. „Unklar ist aber, ob es sich dabei um Tiere aus Haltungen handelt oder um Wildstörche“, so Peterson. Storch-Haltungen gebe es etwa im Westküstenpark in St. Peter Ording. In Hitzhusen im Kreis Segeberg habe ein Privatmann eine Kolonie mit 33 Paaren „angefüttert“. „Wieso sollen die Tiere noch die gefährliche Reise nach Süden machen, wenn sie hier durchgefüttert werden?“

Der Bestand an Brutpaaren in Schleswig-Holstein ist sei einigen Jahren relativ stabil. Die Zahl der Brutpaare war diesmal ein wenig höher als 2016. 2005 gab es nur 170 Horstpaare. Vom höchsten registrierten Bestand – 1940 gab es 2 175 Brutpaare und 5 216 flügge Jungstörche – ist man weit entfernt.

Die intensive Landwirtschaft und immer weniger Feuchtwiesen sind laut Peterson Hauptgründe dafür, dass die Störche immer weniger Lebensraum mit viel Nahrung wie Mäusen oder Maulwürfen vorfinden. Die meisten Störche gibt es in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Schleswig-Flensburg mit dem „Storchenort“ Bergenhusen. Im Kreis Plön dagegen gab es schon Jahre, in denen kein einziges Storchenpaar gesichtet wurde. Gering sind auch die Zahlen in den Kreisen Nordfriesland und Ostholstein. 

dpa

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