Kaum noch zu schaffen: Die Gesundheitsämter schlagen angesichts der gestiegenen Coronazahlen Alarm, da Infekt- ionsketten kaum noch nachzuverfolgen seien, meint Gesundheitspolitikerin Marret Bohn.
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Kaum noch zu schaffen: Die Gesundheitsämter schlagen angesichts der gestiegenen Coronazahlen Alarm, da Infekt- ionsketten kaum noch nachzuverfolgen seien, meint Gesundheitspolitikerin Marret Bohn.

Härtere Maßnahmen geplant / Ämter brauchen Unterstützung

Storman sprengt Grenzwert

Bad Oldesloe/Kiel – Das hohe Tempo an Corona-Neuinfektionen verschärft auch in Schleswig-Holstein die Pandemie-Lage: Laut Robert- Koch-Institut betrug gestern im gesamten nördlichsten Bundesland der Sieben-Tage-Inzidenzwert 36,3 – das ist mehr als das Fünffache innerhalb eines Monats.

Kreis ergreift schärfere Maßnahmen

Der Kreis Stormarn hat den Grenzwert für das Ergreifen härterer Corona-Maßnahmen als bisher überschritten. Der sogenannte Sieben-Tage-Inzidenzwert sei auf 53,6 gestiegen und liege damit über der entscheidenden Schwelle von 50, teilte ein Kreissprecher gestern in Bad Oldesloe mit. Der Wert gibt die Zahl der Corona-Neuinfektionen berechnet auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an. Bei einem Inzidenzwert von 35 werden strengere Corona-Auflagen eingeführt und bei einem Wert von 50 noch einmal verschärfte Maßnahmen ergriffen. Mit der Umsetzung der Maßnahmen, über die noch informiert werde, sei innerhalb der nächsten 24 Stunden zu rechnen, hieß es.

Gesamtzahl der Fälle im Land

In Schleswig-Holstein sind insgesamt 115 neue Corona-Fälle gemeldet worden (Stand Sonntag). Seit Beginn der Pandemie haben sich somit 6 777 Menschen mit Sars-CoV-2 angesteckt, teilte die Landesregierung mit. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um drei auf 167. Im Krankenhaus werden derzeit 51 Covid-19-Patienten behandelt. Diese Zahl blieb im Vergleich zum Vortag unverändert.

Rund 5 200 Menschen in Schleswig-Holstein gelten nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) als genesen. Die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegt nach Angaben des RKI (Stand Sonntag) bei 33,5.

Grüne fordern Hilfe vom Bund

Angesichts der Belastung der Gesundheitsämter infolge stark gestiegener Corona-Zahlen verlangen die Grünen im Kieler Landtag eine stärkere Unterstützung des Bundes. Das Bundesgesundheitsministerium müsse schnellstmöglich alle Gesundheitsämter mit besserer Software ausstatten, sagte gestern die Gesundheitspolitikerin Marret Bohn. „Die zweite Welle ist da und die Gesundheitsämter schlagen Alarm, weil sie es kaum noch schaffen, die Infektionszahlen nachzuverfolgen“, erläuterte Bohn. Die Digitalisierung der Gesundheitsämter und die digitale Kommunikation müssten dringend verbessert werden.

Dänemarks Grenze weiterhin offen

Zwar sind die Infektionszahlen in Schleswig-Holstein rapide gestiegen, jedoch dürfen Schleswig-Holsteiner auch vorerst weiterhin nach Dänemark einreisen. Für gestern wies das Robert-Koch-Institut zwar einen Inzidenzwert von 36,33 aus. Dänemark zählt allerdings etwas anders, um ein Land als „Quarantäneland“ mit Einreisebeschränkungen einzustufen. Zum „Quarantäneland“ wird ein Land, wenn dort 14 Tage lang im Schnitt die Zahl der Fälle bei mehr als 30 pro 100 000 Einwohner pro Woche liegt. Vergangenen Donnerstag hatten die Dänen Deutschland als „Quarantäneland“ eingestuft – mit der Ausnahme Schleswig-Holsteins. Auf der Webseite des dänischen Gesundheitsinstituts hieß es gestern, die wöchentliche Zahl der Corona-Neuinfektionen liege für Schleswig-Holstein bei 16,2 pro 100 000 Einwohner. Falls die Zahl aber nicht drastisch sinken sollte, dürfte die Grenzen demnächst auch für Schleswig-Holsteiner geschlossen werden.    dpa

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