Energieminister Robert Habeck will Abfall aus Akw-Abriss gerecht verteilen

Strahlender Müll

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Kiel - Energieminister Robert Habeck (Grüne) hat mit Deponiebetreibern und Bürgermeistern Lagerungsmöglichkeiten für Abfall sondiert, der beim geplanten Abriss von Atomkraftwerken (Akw) entsteht. Es handle sich ausschließlich um nicht recycelbaren Müll mit vernachlässigbarer Radioaktivität, der bei einer Deponierung unterhalb der Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung liege, betonte Habeck am Mittwoch. Dazu gehören Bauschutt, asbesthaltige Abfälle, Mineralwolle, Isolierungen oder Straßenaufbruch. Für die abgeschalteten Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel hat Betreiber Vattenfall den Abriss beantragt, während Brokdorf noch am Netz ist.

Insgesamt geht es laut Habeck um 35 000 Tonnen, die über einen Zeitraum von 22 Jahren zu deponieren sein werden. Habeck schlägt eine zeitlich und mengenmäßig möglichst gerechte Aufteilung auf die infrage kommenden sieben Deponien vor. „Ob das gelingt, kann ich heute nicht sagen.“ Die Deponien nehmen jährlich zusammen 700 000 Tonnen Material auf. „Die Menge selbst ist also kein Problem“, sagte Habeck nach rund zweistündigem Gespräch. Auch liege die Radioaktivitätswert des Materials weit unter der Alltagsbelastung der Menschen. Das Problem sei die Herkunft aus einem Atomkraftwerk. Dass sich Menschen deshalb emotional belastet fühlen, könne er verstehen, sagte Habeck.

Als grundsätzlich geeignet für die Lagerung gelten sieben Deponien in den Kreisen Ostholstein (Gremersdorf), Schleswig-Flensburg (Harrislee), Segeberg (Großenaspe, Damsdorf/Tensfeld), Herzogtum Lauenburg (Wiershop) und Rendsburg-Eckernförde (Schönwohld) sowie in Lübeck (Niemark). Rund 40 Vertreter einer Bürgerinitative gegen die Aufnahme des Mülls auf ihrer Deponie in Schönwohld demonstrierten vor dem Ministerium.

Initiativensprecher Matthias Radant bescheinigte Habeck ein faires und sachliches Gespräch. Der Minister habe eine 100-prozentige Kontrolle aller Abfallchargen zugesagt, was gut sei. Aber: „Wir betrachten den Müll weiter als radioaktiv belastet“, sagte Radant. „Wir wollen diesen strahlenden Müll nicht 200 Meter vom Wohngebiet entfernt haben.“

Zu deponieren sind Abfälle, die nicht weiter verwertet werden können oder die nur geringfügig die sehr strengen Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung für eine uneingeschränkte Verwertung überschreiten. „Es kommen keine Atommüllfässer“, versicherte Habeck. Für die Deponien ist die Aufnahme des Materials von der Kapazität her kein Problem, offenkundig wegen der relativ geringen Mengen aber auch nicht übermäßig lukrativ. Sie stehen eher vor dem Problem der Akzeptanz am Ort. Der Müll dieser Kategorie ist nur ein Bruchteil der Gesamtmengen, die bei einem Akw-Abriss anfallen. Allein in Krümmel werden es weit über 500 000 Tonnen sein.

Nach dem Treffen mit Deponiebetreibern, Bürgermeistern und Landräten zeigte sich Habeck verhalten optimistisch. Die Gesprächsatmosphäre sei überraschend konstruktiv gewesen. Er strebt noch in diesem Sommer eine Verständigung an. Sein Ministerium wolle in die Gemeinden gehen, Transparenz herstellen und die Verfahren regelmäßig überprüfen. Auch könnten Gutachter eingeschaltet werden. Die Verträge selbst werden zwischen dem Akw-Betreiber und der jeweiligen Deponie abgeschlossen.

Betreiber Vattenfall will den für Deponien vorgesehenen Abfall aus den zum Abriss geplanten Akw Krümmel und Brunsbüttel möglichst nahe an den Kraftwerksstandorten lagern, wie Geschäftsführer Pieter Wasmuth kürzlich angekündigt hat. - dpa

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