Bürgermeister erstattet nach Zugunglück Strafanzeige

Streit um Genehmigung

Der Zugunfall in Alt Duvenstedt war nicht der erste Vorfall mit einem Lastwagen am diesem Bahnübergang. Foto: dpa

Alt Duvenstedt – Das Zugunglück in Alt Duvenstedt mit sieben Schwerverletzten sorgt nicht nur für anhaltende Behinderungen im Bahnverkehr, sondern auch für handfesten Streit. Nach dem Unfall rückte auch die Frage nach der Genehmigung für die Überquerung des Bahnübergangs durch den beteiligten Schwerlaster in den Fokus. Der Transporter mit einem 70 Tonnen schweren Baufahrzeug auf einem Tieflader stand am Mittwochmorgen aus weiterhin unbekannter Ursache auf dem Bahngleis und wurde von einem Regionalzug gerammt.

Laut dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) hatten alle beteiligten Behörden den Transport gebilligt. Der LBV habe seine Zustimmung erteilt und die Stadt Bochum die Erlaubnis gegeben, dort hat die Spedition ihren Sitz. Die Gemeinde Fockbek stimmte demnach ohne Auflagen zu, während die DB Netze welche erteilte. Im konkreten Fall wollte sich eine Bahnsprecherin unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zu den Auflagen äußern. Grundsätzlich könne es zum Beispiel Vorgaben zur erforderlichen Bodenfreiheit und zum Abstand zu Oberleitungen geben.

Unterdessen brach nach dem Unglück auch Streit zwischen der Gemeinde und dem Stromnetzbetreiber Tennet aus. Er habe Strafantrag gegen unbekannt wegen Gefährdung des Bahnverkehrs gestellt, sagte Bürgermeister Peter Orda (SPD). „Ich möchte wissen, warum die Expertenempfehlung von vor Ort keine Beachtung gefunden hat.“ Die Gemeinde habe dem Netzbetreiber empfohlen, den Bahnübergang wegen eines früheren Vorfalls nicht mehr zu nutzen. Der Schwerlaster gehörte einem Dienstleister, der im Auftrag von Tennet unterwegs war. Vor eineinhalb Jahren habe ein Lastwagen an dem Bahnübergang eine Oberleitung abgerissen, sagte Orda.

Einen neuen Vorfall habe er verhindern wollen. „Wir können froh sein, dass es bei dem Zugunglück keine Toten gegeben hat.“ Bei dem Unfall wurde sieben Menschen schwer und sechs leicht verletzt. Experten gehen der Ursache nach.

Ein Tennet-Sprecher wies die Vorwürfe zurück. Das Ansinnen des Bürgermeisters sei bekannt gewesen. Darüber hätten aber die Behörden zu befinden. „Es gibt und gab zu keiner Zeit eine Absprache zwischen Tennet und der Gemeinde Alt Duvenstedt oder dem Bürgermeister oder irgendeinem Dritten im Zusammenhang mit Schwertransporten über den genannten Bahnübergang.“ Der Netzbetreiber dürfe behördlich festgelegte und vorgeschriebene Transportrouten nicht verändern.

Die Hoffnung der Bahn, den Fernverkehr ab Wochenbeginn über Eckernförde und Kiel umleiten zu können, hat sich zerschlagen, weil Reparaturarbeiten an der Lindaunis-Brücke nicht verschoben werden können. Die EC-Züge sollen nun von Montag bis voraussichtlich Mittwoch zwischen Hamburg und Flensburg bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls durch Busse ersetzt werden.

Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei mahnten zur Vorsicht auch an den Bahnübergängen nahe Alt Duvenstedt. Auf einer Strecke von zehn Kilometern sei an sieben Übergängen die Technik abgeschaltet worden, sagte ein Bahnsprecher. Dies habe technische Gründe.

Sogenannte Bahnübergangsposten sollen jetzt die Übergänge absichern. Wenn kein Sicherungspersonal anwesend ist, müssen Lokführer anhalten und den Stopp mit einem Schlüssel bestätigen. Bis gestern fuhren auf der Strecke nur wenige Güterzüge. Am Wochenende kommen erste Fernzüge dazu.

Wegen des großen Personalaufwands wird es an den Bahnübergängen um Alt Duvenstedt voraussichtlich nicht immer Sicherheitsposten geben. Am Tag seien 30 Leute erforderlich, um alle Übergänge zu besetzen, sagte ein Sprecher. Beim Heranfahren an die Bahnübergänge sollten alle besonders vorsichtig sein, hieß es. Das Andreaskreuz bedeute, dass Schienenfahrzeuge Vorrang haben.  dpa

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