Kieler Seehafen sagt Abgasen mit neuer Anlage den Kampf an

Strom für die Schiffe

Mithilfe der neuen Anlage sollen die Emissionen aus Schiffsmotoren deutlich sinken. Fotos: dpa

Kiel – Große Fähren und Kreuzfahrtschiffe sollen im Kieler Hafen die Luft künftig viel weniger mit Dieselabgasen belasten. Die erste Landstromanlage in der Landeshauptstadt ging gestern am Norwegenkai offiziell in Betrieb. „Die neue Anlage liefert die größte Landstrommenge in ganz Deutschland“, sagte Seehafen-Geschäftsführer Dirk Claus.

Als erstes Schiff wurde am Nachmittag die „Color Fantasy“ mit Landstrom „betankt“. Auf diese Weise sollen die Emissionen mit Schiffsdiesel deutlich sinken. Die täglich Kiel anlaufenden Fähren „Color Fantasy“ und „Color Magic“ verbrauchen während ihrer Hafenliegezeiten jährlich rund vier Millionen Kilowattstunden. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 1 000 Vier-Personen-Haushalten.

„Durch Landstrom reduzieren wir sowohl Schadstoffemissionen als auch den Ausstoß von Klimagasen während der Hafenliegezeit auf null“, erklärte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Der Kieler Seehafen steckt nach eigenen Angaben mittlerweile die Hälfte seiner Investitionen in Maßnahmen zum Schutz der Umwelt.

Vom nächsten Jahr an soll Landstrom auch Kreuzfahrtschiffe am Ostseekai und die Schweden-Fähren versorgen. Die Kosten dafür betragen rund 13,5 Millionen Euro und damit das Zehnfache des Aufwands für die Anlage am Norwegenkai. Für diese fielen in der Endabrechnung 1,2 Millionen Euro an und damit weniger als zunächst kalkuliert. Das Land steuerte 400 000 Euro Fördermittel bei. „Wir wollen der ökologischste und nachhaltigste Hafen Europas werden“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Die Stadt wolle bis 2050 klimaneutral werden.

Inwieweit der Landstrom von den Reedereien tatsächlich genutzt werden wird, ist offen. Das Problem: Landstrom ist für sie deutlich teurer als der mit den Dieselmotoren der Schiffe erzeugte Strom. Deshalb lobte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann (CDU), die Color Line für die Bereitschaft, im Sinne der Umwelt Gewinnverluste hinzunehmen. Aber: „Diese Investition darf nicht dauerhaft von den Unternehmen subventioniert werden müssen.“ Color-Line-Chef Trond Kleivdal appellierte an die Bundesregierung, die EEG-Umlage für Landstrom zu senken, um die Stromkosten zu verringern. Der Bund werde den Weg frei machen, um Landstrom konkurrenzfähig zu machen, sagte Brackmann zu. Er kündigte dazu ein Maßnahmenpaket an, dass noch Ende des Monats den Ländern vorgeschlagen werde. Sinnvoll könnte es aus Brackmanns Sicht auch sein, europaweit für Landstrom eine Anschluss- und Abnahmepflicht anzustreben, um die Häfen emissionsfrei zu machen.

Der Kieler Hafen will künftig 60 Prozent des Energiebedarfs der anlaufenden Schiffe während der Hafenliegezeit mit Landstrom decken. Für den Ostseekai rechnet der Hafen laut Geschäftsführer Claus damit, dass im ersten vollen Betriebsjahr 70 bis 80 Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgt werden können. Der Hafen erwartet in diesem Jahr 178 Anläufe von 33 verschiedenen Kreuzfahrtschiffen. Die Schweden- und Norwegen-Fähren laufen täglich Kiel an.  dpa

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