Nach sechsjähriger Sanierung wird das jüdische Gebetshaus in Lübeck am Donnerstag offiziell wieder eröffnet.
+
Nach sechsjähriger Sanierung wird das jüdische Gebetshaus in Lübeck am Donnerstag offiziell wieder eröffnet.

Versammlungshaus wird der jüdischen Gemeinde offiziell übergeben

Synagoge in Lübeck komplett saniert

Lübeck – Im Gebetsraum der Carlebach-Synagoge in Lübeck laufen die letzten Vorbereitungen. Stühle werden aufgestellt, letzte Absprachen für den Empfang der Gäste werden getroffen. Nach rund sechsjähriger Sanierung wird das jüdische Gebetshaus am Donnerstag mit einem Festakt offiziell wieder eröffnet. Dazu werden neben Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und Bildungsministerin Karin Prien (beide CDU) auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erwartet.

Gottesdienste werden in dem Gebäude bereits seit etwa einem Jahr wieder gefeiert. Die umfangreiche Sanierung wurde bereits im August 2020 abgeschlossen. Doch wegen der Corona-Pandemie musste die eigentlich für den 2. April geplante Eröffnungsfeier verschoben werden. Auch der Einbau des Toraschreins und anderer Sakralmöbel verzögerte sich durch die Pandemie.

Rabbiner Nathan Grinberg wird an den Eingängen der Synagoge kleine Kapseln mit Schriftrollen, die sogenannten Mesuot anbringen und damit die Synagoge vollständig einweihen. „Für die Gemeinde ist das ein wichtiges Ereignis“, sagt die Verwaltungsleiterin der Synagoge, Milena Tartakowski. „Endlich hat das Provisorium ein Ende.“

Das im Jahr 1878 nach dem Vorbild der Berliner Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße erbaute Gotteshaus ist das einzige in Schleswig-Holstein, das die Zeit des Nationalsozialismus überstanden hat und heute wieder als Synagoge genutzt wird. Das Gebäude wurde zwar bei den Novemberpogromen 1938 verwüstet, aber nicht zerstört.

Für die Eröffnung gelten strenge Sicherheitsregeln. So wird nach Angaben der Hansestadt Lübeck die Straße vor der Synagoge am Donnerstag für den Verkehr gesperrt, es wird ein absolutes Halteverbot gelten und auch für Passanten wird ein längerer Aufenthalt in der Straße verboten. Zur Feier in der Synagoge haben wegen der geltenden Corona-Beschränkungen nur wenige geladene Gäste Zutritt. Alle übrigen können die Einweihung im Livestream auf www.ndr.de verfolgen.

Die Lübecker Synagoge war nach 1945 zweimal das Ziel von Anschlägen, bei denen jedoch niemand verletzt wurde. Im März 1994 warfen vier junge Männer aus der rechten Szene einen Brandsatz in einen Vorraum. Sie wurden zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt. Die zweite Attacke im Mai 1995 wurde nie aufgeklärt.

Rund 8,4 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet, die im Sommer 2014 begonnen hatte. Aufgebracht wurde das Geld vom Bund, dem Land Schleswig-Holstein und mehreren Stiftungen.

Zur Gemeinde gehören derzeit knapp 600 Menschen – die meisten von ihnen Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. „Für sie wird es ein großes Sommerfest zur Wiedereröffung der Synagoge geben“, sagt Tartakowski.  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.