Nach einer tödlichen Messerattacke auf seine Lebensgefährtin muss ein 57-jähriger aus Ghana ins Gefängnis. - Foto: dpa

57-Jähriger muss zehn Jahre ins Gefängnis

Täter sticht 13-mal zu

Kiel - Nach einer tödlichen Messerattacke auf seine Lebensgefährtin muss ein 57-jähriger aus Ghana zehn Jahre ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht sprach den Mann wegen Totschlags schuldig. Demnach eskalierte am 30. Juli 2015 ein Streit – am Ende lag die Frau tot in ihrer Norderstedter Wohnung.

Der Angeklagte habe allein 13-mal in die Herzgegend seines Opfers gestochen, sagt der Vorsitzende Richter Jörg Brommann in der Urteilsbegründung. Mit weiteren Schnitten habe er dann das Gesicht der Frau verstümmelt, von der er sich einen legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland erhofft hatte. Auch das Opfer stammte aus Ghana, schildert der Vorsitzende Richter. Doch im Gegensatz zu ihm war sie seit 2013 eingebürgert. Er dagegen schlägt sich seit Jahren vor allem als Küchenhelfer im Raum Hamburg illegal durch. Bei Polizeikontrollen gibt er nach Feststellungen des Gerichts immer wieder falsche Identitäten an.

Opfer und Täter lernen sich über eine christlich-afrikanische Kirchengemeinde in Norderstedt kennen. 2010 beginnen sie eine Beziehung, die ihm endlich Legalität bringen soll. Doch als er sie wegen ihrer ungewollten Kinderlosigkeit zutiefst beleidigt und kränkt, setzt die 55 Jahre alte gelernte Schneiderin den Angeklagten vor die Tür, sagt der Vorsitzende.

Zwar nimmt sie den 57-Jährigen nach Intervention ihrer Kirchengemeinde noch einmal auf – er habe sich zuvor auf Knien für Beleidigungen entschuldigt, sagt der Vorsitzende Richter. Doch der Angeklagte muss auf einer Matratze im Wohnzimmer schlafen. Den Schlüssel nimmt sie ihm ab und lässt ihn nur ein, wenn auch sie da ist. Als sie ihn schließlich vor der Tat wissen lässt, dass sie verreist und er ihre Wohnung derweil nicht nutzen darf, eskaliert die Situation.

Nachbarn hören die Schreie der Frau, alarmieren die Polizei. Als die Beamten eintreffen, liegt die Frau blutüberströmt auf dem Boden. Der 57-Jährige wurde noch am Tatort festgenommen. Vor dem Eintreffen der Polizei hatte er sich selbst, die Leiche und das Tatmesser vom Blut gereinigt, bestätigte er.

Der Schilderung des Mannes, er habe sich am Tatabend von dem Opfer bedroht gefühlt und schließlich zugestochen, glaubt das Gericht nicht. Vielmehr habe er sie in der Auseinandersetzung mit einem Faustschlag attackiert. Sie habe sich daraufhin mit einem Küchenmesser wehren und ihn erneut vor die Tür setzen wollen. Auch habe sie ihn wissen lassen, dass sie ihn nun nicht mehr heiraten werde, sagt der Vorsitzende. Es kommt zum Kampf ums Messer. Der Angeklagte packt die Frau demnach am Hals und drückt zu, während er ihr das Messer entwindet. An der Tötungsabsicht lässt das Schwurgericht keinen Zweifel.

Das Gericht blieb mit der Strafe zwei Jahre unter dem Antrag von Staatsanwalt und Nebenklage. Die Verteidigung hatte sich für acht Jahre Haft ausgesprochen. - dpa

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