Verkauf bis Ende Februar 2018 nötig

Wie teuer wird die HSH Nordbank?

Die HSH Nordbank könnte ein Thema für die Landtagswahl am 7. Mai werden. - Archivfoto: dpa
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Die HSH Nordbank könnte ein Thema für die Landtagswahl am 7. Mai werden. 

Kiel/Hamburg - Von Eckart Gienke. Offiziell hat der Wahlkampf für die Landtagswahl am 7. Mai noch gar nicht begonnen. Doch zwischen den Konkurrenten geht es schon reichlich gereizt zu. „Es ist unverantwortlich, was er macht“, giftete Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) in Richtung von FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Der konterte umgehend: „Nicht Kubicki schadet der HSH Nordbank, sondern die Bank und diese Landesregierung schaden dem Land Schleswig-Holstein.“

Die HSH Nordbank könnte zum Wahlkampfthema im Norden werden. Albig möchte das gern verhindern. Die Fehler in Vorstand und Aufsichtsrat der HSH Nordbank lagen zwar lange vor Albigs Amtszeit, aber das Krisenmanagement der vergangenen Jahre muss er sich und seiner Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) zurechnen lassen. Und dabei mag mancher Wähler die Welt sehen wie Kubicki: „Der Gesamtprozess, in den diese Landesregierung die HSH Nordbank Ende vorvergangenen Jahres geführt hat, wird deutlich teurer für den Steuerzahler als die damalige sofortige Abwicklung gewesen wäre.“

Der Prozess, von dem Kubicki spricht, umfasst verschiedene Schritte und führt zum Verkauf der Bank bis Ende Februar 2018 oder zu deren Abwicklung. So ist es mit der EU vereinbart. Zuvor haben die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein der Bank die schlechtesten Risiken abgenommen und finanzieren nun eine rund 250 Schiffe große Handelsflotte. Die Schiffe sind aktuell jedoch kaum mehr wert als ihr Schrottgewicht und werden bei der gemeinsamen Schiffsholding der Länder weitere Abschreibungen nach sich ziehen. Weitere Kredite im Nennwert von 3,2 Milliarden Euro soll die Bank auf dem privaten Markt verkaufen.

Mögliche Kosten: mindestens 17 Milliarden Euro

Die Geschäftsbereiche außerhalb der Schifffahrt laufen bei der HSH Nordbank gut, versichert das Institut. Allein die Unternehmenskunden hätten 2016 knapp vier Milliarden Euro Neugeschäft gebracht. „Wir merken den Zuspruch der Kunden sehr; der Dezember war insgesamt extrem stark“, sagte ein Sprecher der Bank. Doch ob das für einen erfolgreichen Verkauf reicht, ist fraglich.

Die möglichen Kosten für die HSH Nordbank betragen laut dem Bonner Wirtschaftsprofessors Martin Hellwig mindestens 17 Milliarden Euro. Für Albig ist klar: Die Summe ist zu groß, sie ließe sich nur mit Hilfe des Bundes und der EU stemmen.

Ob die komplizierte Konstruktion und der Verkaufsprozess für die HSH Nordbank im Sinne der Steuerzahler zweckmäßig waren, ist nach Ansicht des Hamburger Bankexperten Professor Norbert Dieckmann noch nicht zu beantworten. Profitiert haben davon bis heute vor allem Rechts- und Wirtschaftsberatungsunternehmen, von Linklaters bis Boston Consulting Group. Sie haben für Beratungsleistungen zur Umsetzung der Vereinbarung mit der EU Honorare in Höhe von mindestens 65 Millionen Euro kassiert. 

dpa

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