32-Jähriger aus Neumünster verurteilt

Tochter missbraucht: Sieben Jahre Haft für Vater

+
Das Gericht glaubte dem Angeklagten nicht, dass er zu den Taten gezwungen worden sei.

Kiel - Sie weinte und wimmerte vor Schmerzen – missbraucht von ihrem eigenen Vater.

Der gab sich vor Gericht in Kiel selbst als Opfer: Der Hauptverdächtige im Freiburger Missbrauchsfall habe ihn zu den Taten gezwungen. Nicht nur die Richter sahen das anders.

Die Qualen des kleinen Mädchens dauerten sechs Wochen. Der Täter: der Vater des Kindes. Jetzt muss der 32-Jährige aus Neumünster wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs sieben Jahre und drei Monate ins Gefängnis. 

Die Jugendkammer des Kieler Landgerichts hielt gestern sieben schwere Missbrauchstaten für erwiesen, sagt der Vorsitzende Richter Kai Ole Beth. Tatzeitraum demnach: Anfang April bis Mitte Mai 2016. Geschehen war es meist in der Wohnung der Familie in Neumünster und einmal in einem Waldstück.

Verbindungen zum Freiburger Fall

Laut Anklage wusste die Mutter nichts von dem Martyrium ihrer Tochter. Der arbeitslose Vater habe dem Kind ein Schweigegebot auferlegt, sagte Beth in der Urteilsbegründung. Während er von einem tat- und schuldangemessenen Urteil spricht, will die Staatsanwältin Revision prüfen. Das Urteil sei deutlich zu milde, sagt die Anklägerin. Sie und die Nebenklage hatte zehn Jahre Haft für den Angeklagten gefordert, der Verteidiger sieben Jahre.

Die Urteilsbegründung des weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozesses warf ein Schlaglicht auf die Verbindungen pädophiler Täter über das Darknet. Der 32-Jährige flog im Oktober 2017 nach Hinweisen vom Hauptangeklagten im Freiburger Fall um den Missbrauch eines Neunjährigen auf. Dessen Verfahren startet am 11. Juni.

Beide Männer tauschten Videos und Bilder des schweren Missbrauchs der Siebenjährigen und des Neunjährigen, sagte der Richter. Der 39-Jährige aus Staufen belastete den 32-Jährigen demnach auch als Zeuge im Kieler Prozess. Seine Tipps führten dazu, dass der Angeklagte seit November in Untersuchungshaft sitzt.

Der Verurteilte meint, selbst Opfer zu sein 

Ausdrücklich wies die Jugendkammer die Behauptung des 32-Jährigen zurück, er sei von dem 39-Jährigen zu dem schweren sexuellen Missbauch seiner Tochter gezwungen worden. Der Angeklagte habe nicht plausibel erklären können, womit er angeblich erpresst worden sei. Zudem hätte er seinerseits den 39-Jährigen anzeigen müssen, als der ihm ein Foto mit dem Missbrauch des neunjährigen Sohnes seiner mitangeklagten Lebensgefährtin geschickt habe.

Laut Urteil bestanden offenbar seit Längerem Beziehungen zwischen den Männern. So habe der 32-Jährige den 39-Jährigen  2016 vor einem Polizeieinsatz gewarnt, nachdem diese erneut gegen ihn selbst ermittelte hatte. Allerdings ohne Erfolg. Schon 2014 wurde demnach ein Ermittlungsverfahren gegen den 32-Jährigen wegen sexuellen Missbrauch eines anderen Kindes eingestellt.

Für seine Taten hatte sich der Angeklagte vor Gericht entschuldigt und Therapiebereitschaft angekündigt. „Grundvoraussetzung ist, dass Sie sich den Taten stellen und Verantwortung übernehmen und sie nicht auf andere verlagern“, betonte Richter Beth. - dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.
Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.