Der Tornado fegt über Kiel hinweg. Nach Angaben der Polizei hat er am Mittwochabend Menschen durch die Luft gewirbelt und ins Wasser geworfen. Die Bilder sehen zwar schon spektakulär aus, nach Expertenmeinung hätte das Unwetter im Norden aber deutlich schlimmer ausgehen können.
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Der Tornado fegt über Kiel hinweg. Nach Angaben der Polizei hat er am Mittwochabend Menschen durch die Luft gewirbelt und ins Wasser geworfen. Die Bilder sehen zwar schon spektakulär aus, nach Expertenmeinung hätte das Unwetter im Norden aber deutlich schlimmer ausgehen können.

Unwetter im Norden

Tornado sucht Kiel heim

Ein Tornado reißt Menschen in die Kieler Förde, andere werden von herumfliegenden Gegenständen verletzt. In zwei Stadtteilen sind Dächer beschädigt. Dennoch sagen Experten, es hätte schlimmer kommen können.

Kiel – Wäre der Tornado durch die Innenstadt gezogen, hätten Dachziegel wie Geschosse durch die Gegend fliegen können, sagte Tornado-Experte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Von der Stärke her ist es nach ersten Auswertungen aber ein eher schwächerer Tornado gewesen.“

Beim Versuch, ein Ruderboot aus dem Wasser zu retten, wurden an der beliebten Promenade Kiellinie nach Feuerwehrangaben sechs Menschen am Mittwochabend verletzt, drei davon schwer. Laut Feuerwehr wurden Opfer „durcheinander gewirbelt“, dabei seien auchMenschen ins Wasser gefallen. In den Stadtteilen Meimersdorf und Gaarden beschädigte das Naturereignis Dächer. Insgesamt kam es zu zwei Dutzend Feuerwehreinsätzen.

Dieser Videoausschnitt zeigt die Wucht des Tornados an der Kieler Förde.

„Wir sind da mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt auch der Meteorologe Andreas Villwock vom Kieler Geomar-Forschungsinstitut. „Aber das war natürlich ganz knapp.“ DWD-Experte Friedrich schätzt die Rotationsgeschwindigkeit des Tornados auf 118 bis 180 Kilometer pro Stunde. Das gehe mit „zerstörerischer Kraft“ einher. Am Boden habe er sich aber nur mit bis 20 Stundenkilometern fortbewegt. Die Spur der Schäden des im Süden der Stadt gebildeten Tornados sei Auswertungen zufolge etwa sieben Kilometer lang. Meist sei er über schwach bebautes Gebiet gezogen.

Nach Angaben der Feuerwehr wurden Dächer in den Stadtteilen Meimersdorf und Gaarden beschädigt. Vom Kieler Süden aus zog der Tornado am Abend in Richtung Förde am Ostufer vorbei zur Kiellinie am Westufer. Nach dem Vorfall löste sich der Tornado Videos zufolge kurz hinter dem beliebten Seehundbecken vor dem Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung an Land auf.

Kein Anzeichen des Klimawandels

Der Klimaforscher Mojib Latif ist der Ansicht, dass der Kieler Tornado kein Anzeichen des Klimawandels war. „Ich würde jetzt keine Verbindung zur globalen Erwärmung herstellen“, sagte er. „Es ist ein seltenes Phänomen, das hin und wieder auftaucht“

Das Problem bei Tornados sei, dass man sie überhaupt nicht vorhersagen könne, sagte Latif. „Bei entsprechender Wetterlage können sie immer entstehen.“ Alle paar Jahre könne dies auch in Kiel vorkommen. „Wenn sie draußen auf dem Meer auftreten, dann können sie unbeobachtet bleiben – deshalb ist die Dunkelziffer ziemlich hoch.“

Am 5. Mai 1973 war ebenfalls ein Tornado durch Kiel gefegt – damals allerdings durch die Innenstadt mit weitreichenden Folgen: ein Mensch starb, es gab mehr als 100 Verletzte. Der Sturm richtete Schäden in Höhe von etwa 15 Millionen Euro an, betroffen waren auch der Kieler Hauptbahnhof und das Werftgelände.

Axel Harms erlebte den damaligen Tornado in seiner Obergeschoss-Wohnung im Stadtteil Hassee am eigenen Leib. „Das Ganze hat vielleicht zwei, drei Minuten gedauert“, sagte der 74-Jährige, „aber der Schaden war immens.“ Der Tornado sei durch Küche, Flur, Schlaf- und Wohnzimmer gefegt.

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