Die gehandicapten Radsportler Karl Grandt (r.) und Sven Marx wollen mit einer Radtour von Sibirien über das Nordkap bis nach Rio de Janeiro für die Inklusion behinderter Menschen werben. - dpa

Von Flensburg nach Rio: Radfahrer mit Handicap beginnt Fahrt zu den Paralympics

Tour de Brasil

Flensburg - Mit einer rund 11.000 Kilometer langen Fahrradtour von Sibirien bis nach Brasilien wollen sich Karl Grandt und Sven Marx für die Inklusion von Behinderten einsetzen. Am Freitag übernahm um 11.11 Uhr Grandt in Flensburg von seinem Partner Marx eine „Inklusionsfackel“ und setzte die Tour nach Rio fort.

Marx hat dann bereits rund 6.000 Kilometer unter dem Motto „Inklusion braucht Aktion“ zurückgelegt und will in Brasilien wieder zu Grandt stoßen. „Solange ich das kann, fahre ich ohne Motor“, sagte Grandt (62) beim Start seiner ersten Etappe, die ihn und rund ein Dutzend Mitfahrer nach Langballig führte.

„Eigentlich wollten wir gemeinsam weiterfahren, doch ein normales Fahrrad und ein Trike harmonieren gerade bei Steigungen nur schlecht“, sagte Marx (49), der auch bei null Grad am Nordkap und vielen Tagen Dauerregen für das gemeinsame Ziel geradelt ist.

„In den verschiedenen Ländern geht es darum, Inklusion zu vergleichen und voneinander zu lernen“, sagte Grandt zu seinem Ziel, dass Menschen mit und ohne Handicap in der Gesellschaft gleichberechtigt leben. Grandt ist Projektkoordinator beim Verein Health Media aus Flensburg und wie sein Partner selbst gehandicapt. Die langen Touren sind sie gewöhnt.

2015 fuhren sie bereits von Flensburg nach Rom. Dort segnete der Papst ihre Fackel, die sie nun nach Rio de Janeiro tragen wollen. Aufgeben kam für Grandt dabei nie infrage – weder bei drei Tagen Dauerregen noch als er bei großer Hitze in Tschechien eine 18 Prozent steile Steigung (schiebend) erklomm.

Um sich in schwierigen Momenten zu motivieren, hat ihm seine Frau ein Bild mit einem Storch geschenkt, der einen Frosch im Maul hat – und dieser trotzdem noch probiert, den Storch zu würgen. Das Bild fährt immer mit.

Die lange Strecke von Jekaterinenburg nach Rio de Janeiro führt die beiden Männer durch mehr als zehn Länder. Auf Grandt warten nun Stopps unter anderem in Paris, Barcelona und Lissabon. Bei Diplomaten, Pädagogen und Hilfsorganisationen trommeln sie dabei für ihr Anliegen.

Wie wichtig Inklusion ist, haben die beiden Männer nach eigenen Angaben selbst erfahren: Marx, Ende 40, hatte einen Gehirntumor und ist seitdem sehbehindert. Grandt überlebte einen schweren Autounfall mit mehreren Wirbelbrüchen und erlitt einen Herzinfarkt.

Am 13. September wollen die beiden Männer zur Eröffnung der Paralympischen Spiele gemeinsam mit Schülern der deutschen Schule in Rio ins Olympische Stadion einfahren. Unterstützt werden sie unter anderem vom deutschen Generalkonsul in Rio, Harald Klein. „Das Thema Inklusion ist weltweit ein sehr wichtiges Thema“, schrieb Klein hierzu zuletzt an Health Media. Gerade in Brasilien gebe es noch viele Defizite.

Noch ehe sie in Rio de Janeiro ankommen, hat Grandt längst das nächste Projekt im Sinn: 2017 will er die Fackel auf Weltreise schicken, unter anderem ins Weiße Haus nach Washington. Für diese Tour sucht er noch Gleichgesinnte, die ihn im Kampf für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention unterstützen. Die Konvention garantiert allen Menschen eine uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. - dpa

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