Krise macht vor geschlossenen Tierheimen nicht halt

Trotzdem viel zu tun

Aus dem Nest gefallen: Ein Eichhorn-Junges bekommt von Pflegerin Iris Schwartz in Lübeck Spezialfutter. Foto: dpa

Lübeck/Kiel - Von Eva-maria Mester. „Wir müssen leider draußen bleiben“: diese Aufforderung, die sich normalerweise an Hunde richtet, gilt derzeit in den Tierheimen für Menschen. Wegen der Coronakrise sind Schleswig-Holsteins Tierheime auf unabsehbare Zeit für Besucher geschlossen. „Das bedeutet, dass wir auch keine Tiere vermitteln können“, sagt Elena Cujic, Leiterin des Lübecker Tierheims. Doch für Tiere, die Hilfe brauchen, sei das Heim nach wie vor da. „Fundtiere und verletzte Wildtiere nehmen wir nach wie vor auf“, sagt sie. „Dazu sind wir vom Gesetz verpflichtet“, sagt auch Elisabeth Haase, Leiterin des Kieler Tierheims.

In Lübeck betreut Tierpflegerin Iris Schwartz normalerweise die 65 Katzen. Doch jetzt gehören auch drei Eichhörnchenbabys zu ihren Schützlingen. Schwartz päppelt sie mit Spezialmilch auf, die sie alle zwei Stunden gierig aus einer Einwegspritze nuckeln. „Sie waren eigentlich zu viert und sind vermutlich während eines Sturms aus dem Nest gefallen“, sagt sie. „Eines ist leider gestorben, aber ich hoffe, dass die anderen durchkommen.“

Auch das Kieler Tierheim ist derzeit für Besucher gesperrt. „Wir müssen unser Personal vor Ansteckung schützen, wer sollte sich sonst um die Tiere kümmern“, sagt Leiterin Haase. Deshalb müssen sich derzeit Menschen, die ein Fundtier im Tierheim abgeben wollen, telefonisch anmelden.

„Da bremsen wir aber im Moment etwas, denn wir rechnen damit, Tiere von Corona-Patienten aufnehmen zu müssen, wenn sich niemand anderes um die Tiere kümmern kann“, sagt Haase. Auch Cujic rechnet damit, zumindest vorübergehend Tiere von Corona-Patienten aufnehmen zu müssen.

In vielen Heimen spürt man aber auch, dass Menschen sich gerade jetzt ein Haustier wünschen. „Ich kann den Wunsch zwar nachvollziehen, aber wir geben wegen der Kontaktsperre derzeit grundsätzlich keine Tiere ab“, sagt Haase.

Für Stefan Bergmann, den Leiter der Flensburger Tierheims, sind Tiere keine Lückenbüßer. „Oft wollen Kinder aus Langeweile einfach nur Tiere angucken, aber wir sind schließlich kein Zoo“, sagt er. Deshalb rät er allen Interessenten, zunächst ein Tier auf der Internetseite des Tierheims auszusuchen. „Bei ernsthaftem Interesse zeigen wir ihnen, wenn wir wieder geöffnet haben, nur dieses eine Tier“, sagt Bergmann.

Sorgen bereiten vielen Tierheime die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise. „Die Futterspenden gehen merklich zurück, und wir befürchten, dass das noch schlimmer werden wird, wenn die Leute vielleicht durch die Krise ihren Arbeitsplatz verlieren“, sagt Cujic.

Deshalb fordert der Deutsche Tierschutzbund analog zu Hilfen für Unternehmen, Freiberufler und Selbstständige ein Sofortprogramm auch für Vereine, die Tierheime betreiben. Nötig sei eine schnelle und unbürokratische Hilfe, damit die Versorgung der Tiere aufrechterhalten werden könne, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes, in dem rund 550 Tierheime in ganz Deutschland organisiert sind.  dpa

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