Windrad-Ausbau im Norden läuft nur „unbefriedigend“

Umweltminister unzufrieden

Umweltminister Albrecht sieht das Land als „Vorreiter der Energiewende“, ist aber unzufrieden. Foto: dpa

Kiel – Angesichts neuer Zahlen hat Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) ein zu niedriges Tempo beim Ausbau der Windkraft im Norden eingeräumt. „Die Gesamtentwicklung beim Windkraftausbau ist natürlich unbefriedigend“, sagte Albrecht gestern. Es gehe im Land „bei Weitem nicht so voran, wie ich das gerne hätte“. Im ersten Halbjahr lag der Bruttozubau im Norden bei fünf Megawatt beziehungsweise zwei Anlagen. Das geht aus am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Deutschen Windguard im Auftrag der Verbände BWE und VDMA Power Systems hervor. Das Oberverwaltungsgericht hatte die damalige Windkraft-Pläne des Landes 2015 gekippt. Ein seitdem geltendes Moratorium soll Wildwuchs neuer Anlagen verhindern. Die Koalition will durch eine Vergrößerung der Abstände von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung mehr Rücksicht auf Menschen nehmen. Die neuen Regionalpläne sollen 2020 in Kraft treten.

In den ersten sechs Monaten wurden in Schleswig-Holstein 18 Ausnahmegenehmigungen für neue Windräder erteilt. „Die Tendenz geht zwar in die richtige Richtung, denn wir haben im ersten Halbjahr bereits fast so viele Ausnahmegenehmigungen erteilt wie im gesamten Vorjahr“, sagte Albrecht. Zahlreiche Genehmigungen würden zudem noch bearbeitet. Er sei zuversichtlich, dass davon auch noch ein relevanter Anteil abgeschlossen werde. „Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Möglichkeiten über Ausnahmegenehmigungen begrenzt sind und wir insgesamt beim Windkraftausbau deutlich im Verzug sind.“

Die neue Regionalplanung sei der „Schlüssel zum Erfolg“, sagte Albrecht. Sie sorge für einen geordneten Ausbau der Windkraft an Land. Es gehe darum, eine rechtssichere Planung zu entwickeln, die gesetzten Ausbauziele zu erreichen und gleichzeitig Akzeptanz bei den Menschen zu schaffen. „Damit wären wir bundesweit Vorreiter. Ich bin überzeugt: Jamaika muss und wird hier liefern.“

Ziel der Landesregierung bleibt es, zwei Prozent der Landesfläche als Vorrangflächen für Windräder auszuweisen und bis 2025 insgesamt zehn Gigawatt Windkraft-Leistung an Land zu installieren. Zum 1. Juli waren im Land 2 966 Windräder in Betrieb. Die installierte Gesamtleistung betrug 6,5 Gigawatt. Weitere 125 Anlagen mit einer Leistung von zusammen mehr als 400 Megawatt standen vor der Inbetriebnahme.

Die installierte Windkraftleistung an Land reicht nicht nicht ganz aus, um den laut Statistikamt Nord rechnerischen Stromverbrauch des Landes zu decken. „Ich bin wirklich zuversichtlich, dass wir die Teilfortschreibung der Regionalplanung im kommenden Jahr abschließen und dann einen signifikanten Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein erleben“, betonte Albrecht nachdrücklich. Das Land sieht er als „Vorreiter der Energiewende“. Gemessen an der Landesfläche habe es bundesweit weiter deutlich die meisten Anlagen.  dpa

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