Rund 350 Bürger bei Infoveranstaltung

Umweltministerium informiert über Akw-Abfälle

Für die Aufnahme von nicht verwertbarem Abfall aus dem geplanten Abriss von Atomkraftwerken ist nach Einschätzung des Kieler Umweltministeriums auch die Deponie in Harrislee bei Flensburg geeignet. - Foto: dpa

Harrislee - Wohin mit dem Müll? Beim Rückbau der schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke entsteht Abfall, der weder Atommüll ist noch wiederverwertet werden kann. Er muss auf Deponien gelagert werden. Doch dagegen wächst Widerstand in den Gemeinden, die in Frage kommende Deponien auf ihrem Gebiet haben. In Harrislee bei Flensburg hat sich bereits eine Bürgerbewegung gegründet. Sie befürchtet Strahlenbelastung.

Experten des Energiewendeministeriums und Minister Robert Habeck (Grüne) versuchten gestern Abend bei einer Infoveranstaltung in Harrislee, die Ängste zu nehmen – und erklärten, warum der Müll auf Deponien gelagert werden kann. Es handele sich nicht um Atommüll, betonte Habeck, sondern um nicht recycelbaren Abfall aus Atomkraftwerken, der bei einer Deponierung unterhalb der Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung liege.

Zu diesem Sondermüll gehörten etwa asbesthaltige Abfälle, Mineralwolle, Isolierungen oder Straßenaufbruch und Bauschutt, der bautechnisch nicht für die Wiederverwertung geeignet ist. Diese könnten auch auf der Deponie in Harrislee gelagert werden. Aber: Es gebe noch keine Vorentscheidung für irgendeine Deponie, betonte Habeck. Er warb dafür, dass sich alle Interessierten zusammensetzten und gemeinsam nach Lösungen suchten. Er bot an, dass Gemeinden, Naturschutzverbände und auch Bürgerinitiativen bei Messungen dabei sein können. Man könne auch vereinbaren, dass der Müll extra verpackt werde. Aber wenn viele Forderungen erfüllt würden, dürfe man nicht immer weiter seine Zustimmung verweigern. „Es liegt an unserer Generation, das Kapitel Atomkraft zu beenden.“ Ein Kapitel, das die Menschen laut Habeck nie hätten aufschlagen dürfen.

Experten des Ministeriums erklärten den Anwesenden detailliert, wie die Stilllegung und Entsorgung kerntechnischer Anlagen funktioniert, wie freigegebener Abfall aus Atomkraftwerken entsorgt wird und wie hoch die Massen sind, die deponiert werden müssen.

Als grundsätzlich geeignet für die Lagerung gelten im nördlichsten Bundesland sieben Deponien in den Kreisen Ostholstein (Gremersdorf), Schleswig-Flensburg (Harrislee), Segeberg (Großenaspe, Damsdorf/Tensfeld), Herzogtum Lauenburg (Wiershop) und Rendsburg-Eckernförde (Schönwohld) sowie in Lübeck (Niemark).

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.