Friesenhof-Heimbetreiberin möchte Schadensersatz vom Land

Zu Unrecht zu

Zwei Friesenhof-Heime waren 2015 nach Vorwürfen über angebliche Missstände geschlossen worden. Foto: dpa

Schleswig/Kiel – Auf das Land könnten im Fall der 2015 geschlossenen Mädchenheime der Jugendhilfeeinrichtung Friesenhof hohe Schadensersatzforderungen zukommen. Eine zivilrechtliche Klage sei geplant, sagte der Anwalt der damaligen Betreiberin Barbara Janssen gestern. Das Verwaltungsgericht Schleswig hatte am Montag geurteilt, dass die Schließung der zwei Mädchenheime in Dithmarschen im Juni 2015 rechtswidrig gewesen ist. Die Gründe für den Widerruf der Betriebserlaubnis seien nicht ausreichend gewesen.

Janssen sagte Medienberichten zufolge, sie laufe nach dem Urteil „wie auf Wolken, von einer drückenden Last befreit“. Sie betonte, in den 26 Jahre ihrer Arbeit in der Jugendhilfe habe es keinen einzigen Augenblick gegeben, in dem das Wohl der ihr Anvertrauten nicht über allem gestanden habe. Sie werde bis zuletzt für ihre Rehabilitation kämpfen.

Das Landesjugendamt hatte im Juni 2015 die Betriebserlaubnis für die Mädchenheime „Nanna“ und „Campina“ widerrufen. Im Vorfeld hatte es in der Öffentlichkeit und den Medien kontroverse Diskussionen über das Erziehungskonzept des Friesenhofes und die Zustände in den betreffenden Einrichtungen gegeben. Wenige Wochen nach Schließung der Teileinrichtungen meldete der Friesenhof insgesamt Insolvenz an. Ein Untersuchungsausschuss befasste sich eineinhalb Jahre lang mit dem Friesenhof. Auch er stellte mehrheitlich fest, dass es keine generelle Kindeswohlgefährdung gegeben hat.

Trutz Graf Kerssenbrock, der Anwalt Janssens, wies darauf hin, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Die schriftlichen Gründe des Verwaltungsgerichts werde nach Angaben des Gerichts erst in einigen Wochen vorliegen.

Laut Graf Kerssenbrock kann im Frühjahr durchaus der Zeitpunkt sein, an dem gesagt werden kann, dass Klage über diesen oder jenen Betrag erhoben wird. Die konkreten Summen, um die es geht, lassen sich demnach noch nicht beziffern. Sie dürften aber im sechs- oder siebenstelligen Bereich liegen, sagte Graf Kerssenbrock, da der ganze Friesenhof in Folge der Teilschließungen insolvent gegangen ist. Mit dem Insolvenzverwalter wird der Vorgang nun erörtert. Die Schadensaufstellung kann aber erst erfolgen, wenn das Urteil Rechtskraft hat. dpa

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