Serpil Midyatli will an die Spitze

SPD steht vor Führungswechsel: Ein „unverwechselbar linkes Profil“

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Ralf Stegner, SPD-Fraktions- und Parteivorsitzender (r.), stellt sich nicht mehr zur Wahl. Seine Nachfolgerin wird vermutlich Serpil Midyatli.

Kiel – Schleswig-Holsteins SPD steht vor einem personellen Neuanfang. Nach zwölf Jahren an der Spitze des Landesverbandes stellt sich Ralf Stegner auf dem Parteitag am Wochenende in Norderstedt nicht mehr zur Wahl.

Mit der Landtagsabgeordneten Serpil Midyatli wird ab Samstag voraussichtlich erstmals eine Frau an der Spitze stehen. „Dafür ist es dann auch Zeit“, sagte Stegner am Montag in Kiel. Mit etwa 35,4 Prozent habe die Nord-SPD den höchsten Frauenanteil aller Landesverbände. Die 222 Delegierten wählen ihre Führungsspitze nahezu komplett neu. „Ich gehe nicht unzufrieden nach zwölf Jahren“, sagte Stegner. Er hinterlasse einen gut aufgestellten Landesverband mit „unverwechselbar linkem Profil“. 

Midyatli sei die einzige Kandidatin. Um die beiden Ämter als stellvertretende Landesvorsitzende bewerben sich der Bundestagsabgeordnete Sönke Rix und die Juso-Landesvorsitzende Sophia Schiebe. Nur Beisitzer Enrico Kreft stellt sich der Wiederwahl. Um die sieben Beisitzer-Posten bewerben sich weitere 14 Kandidaten. Am Samstag und Sonntag geht es auch um die Parteireform, den Sozialstaat, den Klimaschutz und die Europawahl Ende Mai. Gast ist SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley. 

Ratschläge werde Stegner Midyatli nur geben, wenn sie darum bitte, sagte der scheidende Landesvorsitzende. „Für mich persönlich ist das ein großer Einschnitt. Ich habe aber ein paar Monate Zeit gehabt, mich an den Gedanken zu gewöhnen.“ Seine Pflichten werde er „bis zum letzten Tage“ erfüllen. Offen ließ er eine mögliche Kandidatur als stellvertretender Bundesvorsitzender Ende des Jahres.

Im Rückblick schmerze ihn die gescheiterte Wiederwahl von Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) 2005 am meisten, er war zwar damals Finanzminister, aber nicht Landesvorsitzender, sagte Stegner. „Das war die bitterste Stunde in meinem Berufsleben.“ Auch für ihn wäre einiges anders verlaufen, wäre Simonis nicht durch einen Abweichler zu Sturz gebracht worden. Dass er Simonis Nachfolger werden sollte, sei verabredet gewesen. Sein Image habe gelitten.  dpa

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