Blinde Zerstörungswut

Polizeistatistik: Vandalismus bleibt regional

+
In der Polizeistatistik haben Sachbeschädigungen mit rund zehn Prozent einen signifikanten Anteil an der Gesamtkriminalität in Schleswig-Holstein.

In der Polizeistatistik haben Sachbeschädigungen mit rund zehn Prozent einen signifikanten Anteil an der Gesamtkriminalität im Land. Die Verteilung der Fälle ist jedoch recht unterschiedlich.

VON WOLFGANG RUNGE

Kiel - Schlüsselloch zukleben, das Schul-Klo verstopfen, einen Papierkorb anzünden: Vandalismus - die blinde Zerstörungswut - gibt es in zahlreichen Facetten. Doch in der Kriminalitätsstatistik taucht der Begriff „Vandalismus“ nicht auf, sagt Torge Stelck vom Landespolizeiamt. „Statistische Daten können daher nur nach den unterschiedlichen Ausprägungen von Sachbeschädigung ausgewertet werden“, erklärt er.

Diese jedoch „haben mit rund zehn Prozent einen signifikanten Anteil an der bekannten Gesamtkriminalität in Schleswig-Holstein“, sagt Stelck. Im Jahr 2017 mussten sich die Ermittler im Norden mit insgesamt 21 566 Fällen von Sachbeschädigung beschäftigen - 313 Fälle weniger als im Jahr davor.

„An den Dienstgebäuden unseres Ministeriums haben wir schon seit langer Zeit keinen Vandalismus verzeichnen müssen“, sagt Oliver Breuer vom Justizministerium in Kiel.

Das Kreishaus in Husum war 2018 lediglich ein einziges Mal Ziel von Vandalismus, weiß Kreissprecher Hans-Martin Slopianka. Damals seien an einem Wochenende zwei Glasscheiben beschädigt worden. „Nicht, dass wir nicht auch unsere Probleme hätten, aber Vandalismus gehört tatsächlich nicht dazu“, sagt auch die Sprecherin des Kreises Steinburg, Britta Glatki.

Im Kirchenkreis Dithmarschen werden aus den Gemeinden jährlich etwa fünf Fälle von Vandalismus gemeldet, sagt Sprecher Frank Zabel. „Das sagt aber nichts über den tatsächlichen Umfang aus: Die Kirchengemeinden müssen uns das nicht melden, weil diese Fälle nicht über uns versichert sind.“

Im Kreis Herzogtum Lauenburg geht es eher friedlich zu. „Vandalismus kommt an Eigentum des Kreises zum Glück nur gelegentlich vor“, sagt Kreissprecher Tobias Frohnert. Wenn doch, seien es meist die Beschädigung von Wegweisern im Naturpark Lauenburgische Seen und in den Naturschutzgebieten.

Auch die Stadt Neumünster kann in Bezug auf Vandalismus entspannt sein. „Ich habe es grundsätzlich anders erwartet“, sagt der Unternehmenssprecher der Stadtwerke, Niklas Grewe. Doch „es gibt bei uns kein Problem mit Vandalismus. Sowohl im Busverkehr, dem Schwimmbad oder dem Kundenzentrum, das in der Innenstadt liegt, müssen nur selten Schmierereien entfernt werden.“ Und fügt an: „Es ist schön, dass wir Norddeutschen sorgsam mit unseren Sachen umgehen.“

In Kiel ist das nur Wunschdenken. „Natürlich hat auch die Landeshauptstadt Kiel - wie jede größere Stadt - mit Vandalismus unterschiedlicher Art und Ausprägung zu tun“, sagt Stadtsprecher Arne Ivers. An den durch die städtische Immobilienwirtschaft verwalteten Gebäuden verursacht die Beseitigung von Vandalismusschäden im Schnitt Kosten in Höhe von rund 250 000 Euro jährlich - davon 70 000 Euro für die Beseitigung von Graffiti.

Auch Flensburg muss wegen Vandalismus viel Geld ausgeben. Ein abgefackelter Papierkorb kostet demnach 600 Euro, für eine neue Parkbank summieren sich die Kosten mit Ab- und Aufbau auf bis zu 10 000 Euro, wie Stadtsprecher Christian Reimer sagt.

In Lübeck sei das sinnlose Zerstören kein „besonders gravierendes“ Problem, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Mangels konkreter Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Städten bezeichnet sie die blinde Zerstörungswut in Lübeck als „durchschnittlichen“ Vandalismus.  

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.