Fast vier Jahre Haft für 52-Jährigen

Vater missbraucht Tochter

Die Mutter wusste nicht, was ihr Mann der sieben Monaten alten Tochter angetan hat. Foto: dpa

Kiel – Wegen schweren sexuellen Missbrauchs der kleinen Tochter und weiterer Übergriffe hat das Kieler Landgericht einen 52-Jährigen zu drei Jahren und neun Monaten Gesamtstrafe verurteilt. Der Mann hatte die drei angeklagten Sexualstraftaten sowie den Besitz kinder- und jugendpornografischer Dateien „umfassend und glaubwürdig gestanden“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Becker gestern in der Urteilsbegründung. Allerdings war die „Beweislage gegen ihn erdrückend“, schränkte er ein.

Der Vater hatte die sexuellen Übergriffe auf seine erst sieben Monate alte Tochter und ein etwa fünfjähriges Mädchen fotografiert und gefilmt.

Die Bilder wurden bei ihm zusammen mit Hunderten kinder- und jugendpornografischen Dateien sichergestellt. Der Besitz dieser Dateien floss auch in das Strafmaß ein. Da sein Gesicht auf den Fotos und Videos nicht zu sehen war, musste ihn seine Ehefrau an seinem Körper identifizieren, sagte Becker. Sie und die Mutter des anderen Mädchens waren ahnungslos. Bei der Zumessung des Strafmaßes wertete die Kammer neben dem Geständnis auch die besondere Haftempfindlichkeit des Angeklagten als Erst- und Sexualstraftäter zu seinen Gunsten. Bereits in der Untersuchungshaft gab es laut Urteil Übergriffe gegen ihn. Er habe sich deswegen in seiner Zelle ganztägig einschließen lassen. Gegen den Angeklagten spräche unter anderem das Alter und die Wehrlosigkeit der Kinder. Beide Mädchen hätten die Taten aber nicht als solches realisieren können wie dies bei älteren Mädchen der Fall gewesen wäre, sagte der Vorsitzende. Die Tochter war bei dem Oralverkehr – sie saß zu diesem Zeitpunkt auf seinem Schoss – zu klein.

Das andere Mädchen schlief, während der Angeklagte herumfingerte.

Die Folgen die Übergriffe könne die Kammer gegenwärtig nicht beurteilen, sagte Becker. Es sei „allerdings auch nicht so, dass es keine Folgen gäbe“. Das Gericht sehe zudem, dass beide Mütter von dem Geschehen sehr getroffen seien. Die Ehefrau des Angeklagten lässt sich scheiden. Ihre Tochter und deren Bruder befinden sich in der Obhut des Jugendamtes. Die Mutter des anderen Mädchens weinte nach der Urteilsbegründung hemmungslos im Gerichtssaal.

Der 52-Jährige war durch Ermittlungen der Fahnder in einschlägigen Pädophilen-Foren im Darknet aufgeflogen. Nach Hausdurchsuchungen kam er im August 2019 in Untersuchungshaft. Der Mann nahm das Urteil an. Es ist rechtskräftig, da auch Anklägerin und Nebenklagevertreterinnen auf Rechtsmittel verzichteten.

Mit dem Strafmaß folgte das Gericht der Staatsanwältin. Der Verteidiger hatte eine Gesamtfreiheitsstrafe von nur knapp über drei Jahren gefordert.  dpa

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