Verband denkt angesichts des Preisverfalls darüber nach, die Produktion zu drosseln

Milchviehhalter kämpfen für eine neue Quote

Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck, sieht das Streben nach schierer Größe bei Milchbetrieben als falschen Ansatz.
+
Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck, sieht das Streben nach schierer Größe bei Milchbetrieben als falschen Ansatz.

Osterrönfeld - „Bald Feierabend“, antwortet ein Milchbauer aus Dithmarschen achselzuckend auf die Frage, wie lange er noch durchhält. Zwischen 25 und 27 Cent erhält er pro Liter. „Dabei liegen allein die reinen Herstellungskosten bei rund 32 Cent“, sagt der 67-Jährige. Im Milchbauernverband ist er von Anfang an Mitglied, er hat die Milchstreiks mitgemacht, namentlich will er aus Angst um seine Existenz nicht genannt werden. Auf dem Milchbauerntag des Landes in Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hoffen er und rund 200 weitere Milchbauern auf Antworten auf die Krise.

„Anscheinend geht es jetzt erst richtig los“, nimmt Karsten Hansen, Bundesvorstand im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ihnen zu Beginn viel Hoffnung. Hansen fordert eine „schnelle Marktumkehr, bevor der Markt uns umkehrt“. Seit dem Wegfall der europäischen Milchquote am 1. April 2015 drückt das große Angebot den Preis. 2015 noch lag der Preis bei mehr als 40 Cent pro Liter. Nun, in Zeiten niedriger Milchpreise, versuchen auch viele der rund 4000 Milchbauern im Land noch immer durch Masse ihren Ertrag zu steigern – das Überangebot wächst.

Joachim Schoof vom BDM in Schleswig-Holstein ergänzt: „Ohne ein Instrument zur Reduzierung der Milchmenge lassen sich die Krisen nicht bewältigen.“ Dabei gehe es darum, kurzfristig die Milchmenge um zwei oder drei Prozent drosseln zu können – gesetzlich verankert, dabei hatten auch Schoof und Hansen auf freiwillige Lösungen durch die häufig genossenschaftlich organisierten Molkereien gehofft sowie auf finanzielle Anreize durch die Politik für eine geringere Produktion.

Landwirtschaftsminister Robert Habeck unterstützt den BDM. „Den Milchbauern geht es schlecht, ein unbegrenztes Größenwachstum ist für sie keine Lösung“, sagt er.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.