Eigentümer drohen der Stadt Lübeck mit Klage

Verbot fürs Ferienhaus

Wolfgang Seitz steht vor seiner Ferienwohnung in einem historischen Altbau. Die Stadt Lübeck will die Vermietung an Touristen künftig verbieten. Foto: dpa

Lübeck - Von Eva-maria Mester. Der Streit um die Vermietung von Ferienhäusern in der Lübecker Altstadt geht in die nächste Runde. Nachdem die Stadt die gewerbliche Vermietung untersagt hat, drohen die Hausbesitzer mit Klagen. Die Eigentümer begründen das unter anderem damit, dass die Stadt die Ferienwohnungsvermietung seit 40 Jahren duldet.

„Wir fordern einen Bestandsschutz für die bestehenden Ferienwohnungen, wie er in vielen Kommunen üblich ist“, sagte Karl-Heinz Brenner von der Interessenvertretung der Ferienwohnungs- und Ferienhausvermieter Lübeck und Travemünde. Mit der Klage vor dem Verwaltungsgericht wollen die Eigentümer erreichen, dass die Stadt die Verfügungen zurücknimmt, mit denen sie den Besitzern die Vermietung ihrer Häuschen an Touristen untersagt.

Bei Missachtung des Vermietungsverbots droht eine Strafe in Höhe von 2 500 Euro. Begründet wird die Untersagung damit, dass es sich bei der Vermietung als Ferienwohnung um ein Gewerbe handele, das in einem reinen Wohngebiet nicht zulässig sei. Außerdem widerspreche die Nutzung als Ferienwohnung den Zielen der Erhaltungssatzung für die Lübecker Altstadt, die den Schutz von Kleinwohnhäuser vor der Verdrängung durch andere Nutzungen zu Ziel habe, heißt es in dem Schreiben. Betroffen sind rund 100 der 300 Ferienwohnungen in der Lübecker Altstadt.

Der Bauausschuss der Hansestadt hat seine für Juni geplante Entscheidung zu dem Thema auf August verschoben. „Das hat aber nichts mit den Klagedrohungen der Besitzer zu tun“, erklärte der Vorsitzende des Bauausschusses, Christopher Lötsch (CDU). „Diese Entscheidung stand schon vorher fest, weil es noch offene Fragen gibt.“

Die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck hatte bereits im August 2018 beschlossen, keine weiteren Ferienwohnungen im Unesco-Weltkulturerbe Altstadt zuzulassen. Zwar sollten bestehende Ferienwohnungen eigentlich Bestandsschutz genießen, doch die liegen alle in Mehrfamilienhäusern.

Die bei Touristen besonders beliebten malerischen Ganghäuschen wurden nie genehmigt. Ihre Vermietung ist damit illegal und kann auch nachträglich nicht mehr genehmigt werden. „Deshalb hatten wir keine andere Wahl, als die Vermietung als Ferienhäuser zu verbieten“, sagte Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) im Februar. „Wir müssen das geltende Baurecht durchsetzen, um einer Verdrängung des Wohnens in den Gängen und Höfen entgegenzuwirken.“

Doch die Hausbesitzer geben sich optimistisch. „Ich gehe davon aus, dass unsere Klage Erfolg hat und wir unsere Häuser weiterhin vermieten können“, meint Wolfgang Seitz. Er vermietet seit 2004 ein Ganghäuschen mit 35 Quadratmetern Wohnfläche an Touristen, aber auch an Menschen, die aus beruflichen Gründe einige Zeit in Lübeck wohnen müssen. „Bei mir haben schon Studenten der Bundespolizeiakademie, Leute vom Theater und Kunsthandwerker vom Weihnachtsmarkt im Heilig-Geist-Hospital gewohnt“, sagt Seitz. Die würden – auch aus Kostengründen – wohl kaum in ein Hotel gehen und wären dann für den Lübeck-Tourismus verloren, sagt er.  dpa

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