Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Untreue in einem besonders schweren Fall erhoben. - Foto: Westermann

Ex-Sportverband-Mitarbeiter soll über eine halbe Million Euro veruntreut haben

Vereine müssen Betrug ausbaden

Kiel - Um mehr als eine halbe Million Euro soll ein früherer Mitarbeiter den Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV) und den Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV) betrogen haben. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat gegen den Mann Anklage wegen Untreue in einem besonders schweren Fall erhoben, erklärte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer. Am heutigen Samstag will der Fußballverband in Malente auf der zweiten ordentlichen Beiratsversammlung mit Vertretern der Kreisfußballverbände über Konsequenzen entscheiden. Geplant sind Personalkürzungen im Verband und höhere Gebühren für die Vereine.

Dem Beschuldigten werde vorgeworfen, mit zahlreichen manipulierten Überweisungen zwischen 2008 und 2011 den Landesportverband um etwa 220 000 Euro betrogen zu haben, sagte Schulze-Ziffer. Von 2011 bis 2014 soll er dann den Landesfußballverband um etwa 300 000 Euro geschädigt haben. Der Verdächtige hatte sich laut Staatsanwaltschaft bereits im Jahr 2014 selbst angezeigt. Der Fußballverband teilte mit, dank einer Vorschusszahlung des DFB habe der Schaden in voller Höhe kompensiert werden können. Laut Medienberichten weist der aktuelle Haushalt des Fußballverbandes ein Defizit von mindestens 250 000 Euro auf. „Dieser Vertrauensschaden hat erhebliche Auswirkungen auf die Finanzsituation des Verbandes“, erklärte der Fußballverband mit Blick auf die Anklage. Er sei aber nicht der alleinige Beweggrund für notwendige Einsparungen und höhere Einnahmen für Dienstleistungen des Verbandes gegenüber seinen Vereinen. Der Fußball im Land müsse mit dem strukturellen Nachteil leben, nicht in gleichem Maß wie andere Landesverbände von den Zuschauereinnahmen der Profivereine zu profitieren. Ferner erhöben andere Verbände bereits deutlich höhere Gebühren. Eine Angleichung sei notwendig.

Nähere Angaben zur geplanten Gebührenerhöhung machte der Fußballverband nicht. „Dies muss ja noch beschlossen werden“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des SHFV, Tim Cassel, gestern. Der Verband wies Medienberichte zurück, dass der für 3,6 Millionen Euro umgebaute Uwe Seeler Fußball Park, die Sportschule des Verbandes in Malente, Hauptgrund für die Sparmaßnahmen sei. „Als Aus- und Fortbildungsstätte des Verbandes ist der Standort Malente natürlich defizitär, das ist aber seit Bestehen der Sportschule der Fall“, erklärte Tobias Kruse, der kaufmännische Leiter des Fußballparks. „Wir haben mit dem Umbau aber das mittelfristige Ziel und erstmals auch die Möglichkeiten, dieses Defizit zu verringern und jeden Euro einzunehmen, den wir dort ausgeben.“

Der LSV hat nach eigenen Angaben die finanziellen Auswirkungen der nun angeklagten Fälle über seine letzten Haushalte auffangen können. - dpa

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