Landwirt überwacht seine Tiere mit einer Smartphone-App

Der vernetzte Kuhstall

Eine Kuh trägt einen sogenannten Moocall-Sensor am Schwanz, der bei einer trächtigen Kuh vor der Geburt einen Alarm per SMS auslöst. Fotos: Daniel Bockwoldt/dpa

Westerau - Von Eva-maria Mester. Ein Blick auf sein Smartphone zeigt Landwirt Phillip Ellerbrock, dass es seiner Milchkuh „Santa Fee“ wieder gut geht. „Körpertemperatur, Fressverhalten, Bewegung – alles ganz normal“, sagt er. In Ellerbrocks Stall in Westerau sind die Kühe online. Zehn der 85 Tiere tragen einen sogenannten Vital-Tracker in ihrem Pansen. „So habe ich die Gesundheit meiner Tiere immer im Blick“, sagt der 29-Jährige. Der etwa zehn Zentimeter lange und gut 200 Gramm schwere Sender übermittelt verschiedene Vitalparameter aus dem Bauch der Kuh direkt an Ellerbrocks Smartphone.

Vor gut einer Woche ging es „Santa Fee“ allerdings nicht gut. Die Schwarzbunte hatte wegen einer Euterentzündung Fieber. „Ohne den Alarm hätte ich das erst acht Stunden später beim Melken bemerkt und die Entzündung wäre dann schon weiter fortgeschritten gewesen“, sagt Ellerbrock. Wegen des frühen Eingreifens habe die Kuh weniger Medikamente gebraucht und sei schnell wieder fit gewesen.

Dank des Trackers weiß der Landwirt auch, wann seine Kühe Wasser brauchen, wann es ihnen zu heiß ist und wann der beste Zeitpunkt für eine Besamung ist. „Wenn die Kuh dann trächtig ist, gibt das System 24 Stunden vor der bevorstehenden Geburt Alarm“, sagt Ellerbrock.

Dann kommt der Moocall-Sensor zum Einsatz. Er wird am Hinterteil der Kuh befestigt und misst ihre Schwanzbewegungen, die durch die Wehen ausgelöst werden. „Dann bekomme ich eine SMS auf mein Handy und weiß, dass die Geburt jetzt losgeht“, sagt Ellerbrock. So könne er punktgenau in den Stall gehen und Geburtshilfe leisten, wenn es nötig wird.

Rund dreieinhalb Jahre ist der Moocall-Sensor bereits auf dem Hof der Ellerbrocks im Einsatz. „In der Zeit hatten wir rund 300 Geburten, die Zahl der Geburtskomplikationen ist in der Zeit deutlich zurückgegangen“, sagt der Landwirt. Möglich macht das das Maschinennetz Narrowband IoT (Internet of Things, deutsch: Internet der Dinge), das in Ellerbrocks Stall zahlreiche Sensoren vernetzt.

Dieses Netz nutzt eine niedrige Frequenz im Bereich von 700 Megahertz. Es hat eine relativ geringe Datenübertragungsrate, aber eine große Reichweite und seine Funkwellen können selbst dicke Wände durchdringen.

„Das macht es ideal für den Einsatz auch in der Landwirtschaft“, sagt Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland. „Wir versorgen inzwischen 95 Prozent der Fläche Deutschlands mit unserem Maschinennetz“, sagt er. Auch andere Netzbetreiber wie die Telekom haben ihr Narrowband-Netz stark ausgebaut.

Demnächst soll noch eine weitere Neuerung in Ellerbrocks Stall einziehen: die vernetzte Milchkanne. In der misst ein Infrarotsensor ständig Temperatur und Fettgehalt der Milch sowie den Füllstand der Kanne und übermittelt die Daten an den Landwirt. „Diese Technik kann ich mir gut für unseren Milchtank vorstellen“, sagt Ellerbrock, dessen Kühe jeden Tag rund 3 000 Liter Milch geben.

Ametsreiter ist sich derweil ziemlich sicher: „Phillip Ellerbrock ist vermutlich der zurzeit digitalste Landwirt Deutschlands.“  dpa

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