Homeoffice sollte in der Coronakrise erleichtert werden.
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Homeoffice sollte in der Coronakrise erleichtert werden.

Beispielhaft auch für andere Bereiche

Verwaltung im Homeoffice

Kiel – Die geplante Homeoffice-Pflicht ist im Landtag und den Ministerien in Schleswig-Holstein bereits in großen Teilen gelebte Praxis. „In der Staatskanzlei und den Ministerien des Landes Schleswig-Holstein arbeiten gegenwärtig insgesamt 2 514 vollbeschäftigte Mitarbeiter, die ganz überwiegend eine Bürotätigkeit ausüben“, sagte Regierungssprecher Peter Höver.

85 Prozent von ihnen nutzten die Möglichkeit des Homeoffice beziehungsweise des mobilen Arbeitens.

Eine Reihe von Tätigkeiten lässt sich allerdings nicht aus dem Homeoffice erledigen. Als Beispiele nannte Höver den Servicebereich, den Postdienst, die IT, das Kabinett, die Fahrbereitschaft und den Verfassungsschutz. „Diese Bereiche sind unter anderem im Wechsel täglich besetzt.“ Vor der Pandemie habe die Quote des mobilen Arbeitens und der Heimarbeit bereits bei etwa 30 Prozent gelegen. Allein im vergangenen Jahr hat das Land fünf Millionen Euro für Notebooks samt Zubehör wie PC-Mäuse und Headsets sowie zentrale IT-Infrastrukturdienste investiert. Hinzu kamen gut drei Millionen Euro für die Bereitstellung von Videokonferenz-Systemen für die Landesverwaltung.

Auch die Fraktionen im Landtag haben den Großteil der Arbeit ins Homeoffice verlagert. „Während des Lockdowns muss keiner unserer Mitarbeiter ins Büro kommen, wenn es nicht zwingend erforderlich ist“, sagte CDU-Fraktionschef Tobias Koch. Die Zuschaltung in Videokonferenzen gehöre für Abgeordnete zum beruflichen Alltag.

Durch eine Pflicht werde sich für die Arbeit in der SPD-Fraktion „praktisch kaum etwas ändern, weil unsere Mitarbeiter schon seit dem Beginn der Pandemie im Homeoffice-Modus arbeiten“, sagte Oppositionsführer Ralf Stegner. „Wir können ja schlecht etwas von anderen fordern, was wir selbst in unserer Verantwortung nicht umsetzen.“

Ähnlich sieht es auch bei den kleineren Fraktionen aus. Bis auf wenige Ausnahmen seien die Mitarbeiter seit dem ersten Lockdown im Homeoffice, sagte Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben. Arbeitskreise und Sitzungen fänden seitdem grundsätzlich per Videokonferenz statt. „Es hat uns selbst erstaunt, aber das klappt super.“

Auch die FDP-Fraktion arbeitet seit Monaten fast vollständig von zu Hause. „So gut das Arbeiten von zu Hause auch organisatorisch funktioniert, der persönliche Kontakt leidet leider doch ein wenig“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Oliver Kumbartzky. Ähnlich äußerte sich SSW-Fraktionschef Lars Harms: „Ich sehne mich nach normalen Verhältnissen.“

Jörg Nobis von der AfD hält Homeoffice überall für begrüßenswert, „wo dies von den Arbeitsabläufen und betrieblichen Erfordernissen her möglich ist“. Die geplante Pflicht halte er aber nicht für zielführend.  dpa

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