Zum Verwechseln ähnlich

Schwesternschiff der Gorch Fock liegt im Kieler Marinestützpunkt

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Das amerikanische Segelschulschiff „Eagle“ ist 22 Jahre älter als die Gorch Fock. 

Kiel - Von André Klohn. Von weitem könnten Spaziergänger am Kieler Marinestützpunkt glauben, die Gorch Fock sei wieder zurück. Wären da nicht die große US-Flagge am Heck des Segelschulschiffs und der markante rote Streifen am Bug. Während die Crew des deutschen Marine-Schulschiffs weiter auf die endgültige Entscheidung des Verteidigungsministeriums über die Zukunft des traditionsreichen Dreimasters wartet, begrüßt die Mannschaft des Schwesterschiffs „Eagle“ der US-Küstenwache an dessen angestammtem Platz an der Tirpitzmole Besucher zum Open Ship an Deck. „Es ist traurig, die Gorch Fock derzeit nicht auf dem Wasser zu sehen“, sagt „Eagle“-Kapitän Matthew Meilstrup. „Wir hoffen, sie ist bald zurück. Zu gern hätten wir sie hier an der Mole neben uns liegen.“ Sein Schiff ist 22 Jahre älter als die Gorch Fock. Beide Schiffe sind zwar nicht baugleich, sehen sich aber sehr ähnlich.

Die „Eagle“ lief bei der Hamburger Werft Blohm und Voss 1936 zur Zeit des Nationalsozialismus als „Horst Wessel“ vom Stapel und ging nach dem Krieg als Reparationsleistung an die USA. Dort fungiert sie seit 1946 als „Klassenraum auf See“ für angehende Offiziere der Küstenwache. Sie bewahre die Geschichte der Segelschulschiffe, sagt Meilstrup. Die US-Küstenwache halte die Geschichte der Schwesterschiffe lebendig. „Wir haben an Bord ein ganze Reihe an Gegenständen von der allerersten Gorch Fock und auch von dem Segelschulschiff der deutschen Marine.“ Die Gorch Fock wurde 1958 bei Blohm und Voss gebaut.

Die Amerikaner haben einen klaren Plan für den Umgang mit ihrem 90 Meter langen Dreimaster. „Der Standard für ein Schiff der Küstenwache ist es, alle vier Jahre ins Trockendock zu kommen“, sagt Meilstrup. Jedes Jahr dazwischen erfolgten andere Instandhaltungsarbeiten, für die die „Eagle“ nicht aus dem Wasser müsse. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sei die Bark aber dreimal im Trockendock gewesen. Das Schiff ist in einem guten Zustand. „Annähernd 30 Millionen Dollar haben die Arbeiten in den vergangenen fünf Jahren gekostet. Dadurch soll sich die Nutzungsdauer des Schiffs um mindestens 15 Jahre verlängern“, sagt Meilstrup. Im Sommer müssten auch die Kadetten bei der Pflege des Schiffs mithelfen.

Die mit der Sanierung der Gorch Fock beauftragte Elsflether Werft geht weiter von einem erfolgreichen Abschluss des Projekts aus. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat bis zum Sommer eine Aussage darüber gefordert, ob mit den in Aussicht gestellten 135 Millionen Euro eine Sanierung möglich sei: „Wenn es nicht gelingt, dann wird die Gorch Fock ein Museumsschiff sein.“

Seit Ende 2015 dauern die Arbeiten an. Ursprünglich waren dafür 9,6 Millionen Euro eingeplant. Es wurden in der Folge aber immer mehr Probleme an dem Großsegler entdeckt.

„Ich glaube nicht, dass die Gorch Fock wieder fahren wird“, sagt der Kieler Reinhard Kricke. „Man sollte ein neues Schiff bauen.“ Ein paar Meter weiter macht vom Ufer aus auch Steffen Kupper Fotos von dem Schwesterschiff. „Natürlich hätte man für das Geld auch etwas Neues bauen können. Aber jetzt sollte man es zu Ende bringen“, meint er. Schließlich sei bereits viel Geld geflossen.

Heute will die Besatzung der „Gorch Fock“ die „Eagle“ besuchen. Geplant ist auch ein Fußballspiel zwischen beiden Crews. „Denn wir müssen ja irgendwas machen für unser Schwesterschiff in unserem Heimathafen“, sagt Kommandant Nils Brandt. „Ein bisschen schwer ums Herz“ werde ihm bei dem Gedanken, wieder an Bord eines fahrtüchtigen Rahseglers zu gehen. „Ich habe aber ganz fest die Hoffnung, dass mein Schiff wieder fahren wird.“ Nach dem für Ende Juni geplanten Ausdocken hofft er auf eine rasche Entscheidung der Ministerin, das Schiff fertig machen zu lassen.

Brandts US-Kollege kann die Debatte über die Kosten nachvollziehen. „Wir haben dieselbe in den USA über dieses Schiff auch immer mal wieder“, sagt Meilstrup. Die Verantwortlichen wüssten aber um den Wert des Segelschulschiffs. Für ihn steht fest: „Das Training ist kritisch, aber man kann es nirgendwo besser haben als auf einem dieser Schiffe.“ Auf den Rahseglern arbeiteten die Kadetten wie vor 100 Jahren. „Ein modernes Schiff mit all der Elektronik kann doch jeder fahren.“  

dpa

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