Polizistin und Hundeführerin Bonny Häusler mit ihrem schwarzen Schäferhund Joker bei einer Übungseinheit.
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Immer der Nase lang: Bonny Häusler, Polizistin und Hundeführerin, und ihr schwarzer Schäferhund Joker bei einer Übungseinheit.

Schleswig-Holsteins erster Datenträgerspürhund Joker erschnüffelt Festplatten

Vor ihm ist kein USB-Stick sicher

Die Probe aufs Exempel steht Joker noch bevor. Schleswig-Holsteins erster Datenträgerspürhund wartet in Aukrug auf seinen ersten Einsatz. Vor dem Schäferhund sind weder Festplatten noch USB-Sticks sicher.

Wasbek – Wenn Bonny Häusler ihm das reflektierende Halsband umlegt, wechselt Joker in den Aufmerksamkeitsmodus. „Das ist unser Ritual vor jedem Einsatz“, sagt die Polizistin aus Aukrug. Mit ihrer Hand zeigt sie den Bereich an, den ihr Hund mit seiner Nase erschnüffeln soll. Dann folgt das Kommando: „Spür!“ Und schon wetzt der schwarze Schäferhund los.

Joker ist der erste Datenträgerspürhund der schleswig-holsteinischen Polizei.

Mit Atemzügen im Stakkato sucht Joker bei einer Übungseinheit die Holzbank an einem Hunde-Übungsplatz in Wasbek bei Neumünster ab. Nach wenigen Sekunden hat er das Ziel entdeckt – in diesem Fall ein Handy. Es geht aber auch wesentlich kleiner. Selbst Micro-Sim-Karten aus aktuellen Smartphone-Modellen sind kein Problem. „Er findet alles, wo Daten drauf gespeichert werden können“, sagt Häusler. „Seine Trefferquote ist hoch.“

Den schwarzen Schäferhund Joker bekam die Polizistin im Alter von neun Monaten. Zwölf Wochen dauerte die Spezialausbildung des mittlerweile drei Jahre alten Tieres. Seine nächste Übung fällt deutlich schwieriger aus. Die unter der Tischplatte versteckte kleine SIM-Karte ist nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Joker erschnüffelt sie zielsicher. Die Polizistin vollzieht ein weiteres Ritual. Sie drückt auf einen Klicker und Joker holt sich seine Belohnung ab. „Das ist Entenbrust“, sagt die Beamtin.

In anderen Bundesländern sind Datenträgerspürhunde bereits im Einsatz. Bei den Ermittlungen zum jahrelangen, hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hatte der damals aus Sachsen ausgeliehene Spürhund „Artus“ 2019 in einer Sesselritze einen versteckten USB-Stick erschnüffelt. Als Konsequenz bildete die Polizei im Westen Hunde dazu aus, CDs, Festplatten, Speicherkarten, USB-Sticks, Smartphones und SIM-Karten zu finden.

Der Geruchssinn der Hunde ist dem eines Menschen um ein Vielfaches überlegen. Während der Mensch um die fünf Millionen Riechzellen habe, seien es beim Hund um die 250 Millionen, sagt Holger Volk, Professor und Leiter der Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Neben der Nasenlänge komme den Tieren auch die sehr hohe Frequenz ihres Schnüffelns zu gute. „Sie können dadurch unheimlich große Luftmengen aufnehmen.“ Während Menschen die Welt zunächst visuell wahrnähmen, erführen Hunde ihre Welt im Prinzip zuerst über das Schnüffeln und dann erst über die Augen, sagt der 47-Jährige.

Hunde könnten theoretisch einen Tropfen in der Wassermenge von 20 Olympia-Schwimmbecken erschnüffeln. „Es ist anscheinend immer noch so, dass keine Maschine so sensitiv ist wie ein Hund.“

Nach Angaben des Landespolizeiamtes verfügen die Einsatzkräfte in Schleswig-Holstein über 78 speziell ausgebildete Spürhunde, die Leichen, Blut, Menschen, Rauschgift oder Sprengstoffe aufspüren. „Ich bin immer wieder fasziniert, was unsere Polizeihunde am Ende ihrer Ausbildung alles können“, sagt Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Das Aufspüren von Datenträgern sei enorm wichtig für immer mehr Ermittlungen, gerade auch bei der Bekämpfung von Kindesmissbrauch im Internet. „Klasse, dass Joker dabei jetzt helfen kann.“

Schleswig-Holsteins erster Datenträgerspürhund wartet aber noch auf seinen ersten Einsatz. „USB-Sticks oder Festplatten gelten mittlerweile in nahezu allen Kriminalitätsfeldern als wichtige Beweismittel“, sagt Polizistin Häusler. Sie ist überzeugt, dass sich Joker im Einsatz bewähren wird. „Wenn er in einen Raum kommt, schnüffelt er nicht erstmal überall wild herum, sondern er sucht Räume ganz ruhig und genau ab.“ In seiner Ausbildung habe sie mit dem Hund geübt, selbst in Sofas, Betten und Matratzen versteckte kleine Datenträger zu finden. „Ich kann mir vorstellen, dass wir auch von anderen Bundesländern mal angefordert werden, weil es noch gar nicht in allen Datenträgerspürhunde gibt.“

Von André Klohn

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