Der Damhirsch verliert seine Scheu während der Brunftzeit von Mitte Oktober bis Anfang November – dann müssen Autofahrer auch tagsüber mit einem liebestollen Tier auf den Straßen rechnen.
+
Der Damhirsch verliert seine Scheu während der Brunftzeit von Mitte Oktober bis Anfang November – dann müssen Autofahrer auch tagsüber mit einem liebestollen Tier auf den Straßen rechnen.

Vorsicht vor „geilen Böcken“

Vollgepumpt mit Testosteron liefern sich die Platzhirsche einen Wettstreit: Wer legt die beste Performance vor den Damen hin? Wer ist am lautesten und am stärksten?

Kiel – Auf Deutschlands Straßen ist das Rotwild los. Ab September kämpfen die Hirsche um den Harem. Für Autofahrer bedeutet die Brunft eine gefährliche Zeit, denn die Liebe macht auch Tiere blind, warnt der Landesjagdverband Schleswig-Holstein. Dann vergessen die scheuen Tiere jede Vorsicht.

Trotz Wildwarnschildern und Warnreflektoren oder Duftzäunen kommt es nach Angaben des Instituts für Wildbiologie in Deutschland alle 2,5 Minuten zu einem Zusammenstoß eines Autos mit einem großen Wildtier. Allein in Schleswig-Holstein registriert die Polizei jährlich mehr als 16 000 Wildunfälle. Zu den Unfall-Hotspots gehören nach Angaben des Landesjagdverbandes unter anderem die Bundesstraße 199 zwischen Flensburg und Wees, die Bundesstraße 206 zwischen der Autobahn 7 und Hasenmoor und die Bundesstraße 75 zwischen Sehmsdorf und Meddewade.

Den Anfang macht im September der Rothirsch. Die Paarungszeit des größten Landsäugetiers Deutschlands dauert nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung (DWS) fünf bis sechs Wochen. „Bei der Brunft treten Machos gegeneinander an“, sagte DWS-Forst- und Jagdexperte Andreas Kinser. Das einzige Argument der Testosteron gesteuerten Gegner sei die körperliche Überlegenheit. „Um sich zu präsentieren, wird kräftig geröhrt und geknört. Wer am lautesten schreit, hat am Ende die Macht. Ein riesiger Brustkorb als Resonanzkörper steht für Kraft und Stärke, Gesundheit und Ausdauer.“

Endet das akustische Duell unentschieden, wird der Boden mit Geweih und Vorderläufen aufgewühlt. Zum Kampf Geweih gegen Geweih kommt es erst, wenn auch diese Demonstration von Stärke nicht ausreicht. Dabei passiert es jedoch nur selten, „dass ein Geweihende den Gegner so sehr verletzt, dass dieser verendet“, sagte Kinser. Der Rothirsch lebt meist in den geschlossenen Waldgebieten: Im Sachsenwald, und in den großen Forsten bei Segeberg und Rendsburg.

Der nur halb so große Damhirsch kommt fast flächendeckend in Schleswig-Holstein vor. Die scheuen Tiere nutzen die zahlreichen Streuwälder im ganzen Land. In der Brunft verliert der Damhirsch jedoch seine Scheu. Von Mitte Oktober bis Anfang November müssen Autofahrer auch tagsüber mit einem liebestollen Damhirsch rechnen, denn auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen schaut er weder nach links und rechts, noch achtet er auf Geräusche, wenn er von einem Wäldchen in das andere wechselt.  

Dort röhrt der Hirsch

Naturfreunde können das laute Tierspektakel live miterleben, und zwar im Wildpark Eekholt (Eekholt 1, Großenaspe) in Schleswig-Holstein.  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.