Pottwale liegen hinter dem Deich am Wattenmeer vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog. Archivfoto: dpa
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Pottwale liegen hinter dem Deich am Wattenmeer vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog. Archivfoto: dpa

Wasser und Stürme als Grund für Strandungen

Tote Pottwale: Ungünstigste Bedingungen

Kiel - Die an den Nordseeküsten verendeten 29 Pottwale waren nach vorläufigen Untersuchungsergebnissen weder krank noch ausgehungert. „Ich vermute, dass die zu dieser Jahreszeit sehr heftigen Stürme und wahrscheinlich erhöhte Wassertemperaturen im Nordostatlantik dafür verantwortlich sein können, dass sich die Jungbullen in die Nordsee verirrten“, sagte der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung am Montag in Kiel. Ähnlich äußerte sich Professor Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Siebert leitet das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung mit Standorten in Hannover und Büsum.

Piatkowski und sein Team untersuchen zurzeit die Mageninhalte von Pottwalen, die an der schleswig-holsteinischen Küste strandeten. „Als vorläufiges Ergebnis steht fest, dass die Pottwale sich zu 99 Prozent von zwei Tintenfischarten – dem Nordischen Köderkalmar und Europäischen Flugkalmar – ernährt haben, die in der Norwegischen See, im Barentsmeer und den Gewässern bei Island vorkommen. Der Köderkalmar lebt eigentlich nicht in der Nordsee, der Flugkalmar kommt nur äußerst selten dort vor“, sagte der Experte.

Die Pottwale seien offensichtlich gut genährt gewesen. „In einem Pottwal fanden wir die Ober- und Unterkiefer von etwa 10000 Tintenfischen. Gemäß der Größe dieser Schnäbel, aus der man Größe und Gewicht der Kalmare ableiten kann, hatte der Wal wohl in etwa drei Tonnen Tintenfisch gefressen.“ Etwa ein Bestand von einer Million Tonnen wird allein für den Köderkalmar in der Norwegischen See vermutet, „das große Fressen hat dort stattgefunden“, sagte der Wissenschaftler. „Alles was wir fanden, hatten die Pottwale mindestens drei Tage zuvor gefressen.“ Jetzt gehe es in die Detailanalyse, um zu klären, ob möglicherweise auch Reste von Kraken und Kalmaren, die in der Nordsee leben, sowie von in der Nordsee heimischen Fischen in den Pottwalmägen gefunden werden.

Dass Schallfrequenzen von Schiffen oder Windkraftanlagen in der Nordsee die Tiere irritiert haben könnten, hält Piatkowski für unwahrscheinlich. „Mindestens seit dem 16. Jahrhundert sind Pottwal-Strandungen in der Nordsee dokumentiert – da gab es noch keine Motorschiffe oder Windparks.“

dpa

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