Weiße, tote Flecken

Umweltorganisation spürt düngebelastete Gebiete in der Ostsee auf

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Die Beluga II ankert in der Flensburger Förde. 

Flensburg - Von Birgitta von Gyldenfeldt. Die von Greenpeace-Tauchern in der Flensburger Förde aufgenommenen Bilder dokumentieren die Misere: Sie zeigen weiße Flecken, wo eigentlich Leben auf dem Meeresboden herrschen müsste. Die Ursache liegt nach Angaben der Umweltorganisation an der Überdüngung der Ostsee – vor allem durch Gülle aus der Massentierhaltung. Mit einer Schiffstour entlang der Küste von Dänemark bis Polen will Greenpeace auf dieses Problem aufmerksam machen sowie düngebelastete Gebiete und sogenannte tote Zonen, also sauerstoffarme Regionen, aufspüren.

Dazu hat die Umweltorganisation an Bord der Beluga II ein Labor installiert und untersucht Flussmündungen und Förden auf Sauerstoffgehalt, Nitrat, Phosphat und multiresistente Keime. Dienstag liegt das Boot vor Glücksburg-Schausende. Zwischen den Masten hängt ein großes Banner mit der Aufschrift „Gülle ist Gift für die Ostsee“.

Durch die Überdüngung vermehren sich nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) mikroskopisch kleine sowie große Algen stark. Dadurch kann Licht im Wasser fehlen, der Abbau der Algen kann wiederum zu Sauerstoffmangel führen. Letzterer sei in der Ostsee auch wegen des Binnenmeercharakters ein natürliches Phänomen, aber Häufigkeit, Stärke und räumliche Ausdehnung von Totzonen nähmen deutlich zu, heißt es beim UBA.

Der Chemiker Santen steht mit dem Biologen Dirk Zimmermann in dem Laborraum, den Greenpeace unter Deck der Beluga II eingerichtet hat. Zahlenreihen rattern über einen Monitor. Es sind die Daten, die eine Sonde liefert, die gerade ins Wasser gelassen wird.

Weiter oben ist der Sauerstoffgehalt gut. Er liegt bei mehr als acht Milligramm pro Liter. „Alles über vier Milligramm ist gut“, sagt Zimmermann. „Unterhalb von zwei Milligramm pro Liter ist es für höhere Organismen schwierig.“ Noch ist die Sonde allerdings nicht am Meeresboden angelangt.

Knapp 13 Meter ist die Flensburger Förde vor Glücksburg-Schausende tief. Bei etwa neun Metern liegt eine Sprungschicht. Zimmermann zeigt eine Grafik auf dem Monitor, die verdeutlicht, was das heißt: „Der Sauerstoffgehalt stürzt hier auf knapp über Null.“ Gleichzeitig sinke die Temperatur, und der Salzgehalt im Wasser gehe hoch. „Wir können davon ausgehen, dass da nicht mehr viel lebt.“ Zwar seien die toten Zonen in Küstennähe temporär und es könne sein, dass der Sauerstoffgehalt bald wieder höher sei, sagt Zimmermann. Aber bis sich wieder Leben ansiedele, könne es dauern.

Das Problem der Überdüngung der See ist bekannt. Um es in den Griff zu bekommen, gelten für die Landwirtschaft in Deutschland seit Sommer 2017 zwar strengere Düngeregeln. Diese reichen nach Ansicht von Greenpeace jedoch nicht aus, um den Nährstoffeintrag nachhaltig zu reduzieren. Das Düngerecht müsse weiter verschärft werden, sagt Zimmermann.

dpa

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