Weniger Kunst, mehr Geschichte

Jüdisches Museum in Rendsburg soll unter neuer Leitung moderner werden

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Das Museum soll neu konzipiert werden.

Rendsburg – Zielgruppenorientierter, moderner, mehr Geschichte, weniger Kunst: Das Jüdische Museum in Rendsburg steht vor einer Neukonzeption. „Mit einer Tafelausstellung kommen wir heutzutage nicht mehr weit“, sagte die Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Kirsten Baumann, gestern bei der Vorstellung des neuen Konzeptes und der neuen Leiterin des Jüdischen Museums, Claudia Kuhn.

Die derzeitige Dauerausstellung setze relativ viel Vorwissen voraus und trage mit ihren vielen Schautafeln und ausgestellten Exponaten veränderten Sehgewohnheiten keine Rechnung. „Wir müssen anders auf junge Menschen zugehen“, sagte Baumann. Eine der Hauptzielgruppen des Museums sind Schulklassen. In die Konzipierung der neuen Dauerausstellung sollen daher Schüler eines Heider Gymnasiums eingebunden werden, betonte die Historikerin und Medienpädagogin Kuhn. 

Leiterin Claudia Kuhn.

Diese sollen vor allem bei den Themen Holocaust und Antisemitismus mitarbeiten und helfen, die Themen so aufzubereiten, dass sie für Mitschüler interessant sind. Welche medialen, digitalen und interaktiven Elemente die neukonzipierte Ausstellung beinhalten soll, steht noch nicht fest. Wohl aber, dass das Museum ein Ort der positiven Beschäftigung mit dem Judentum sein soll und kein Ort der reinen „Opfergeschichte“. Und auch, dass es keinen chronologischen Rundgang durch die Geschichte des Judentums im Land sein soll, sondern ein themenzentrierter und diachroner. Ganz bedeutsam sei die Herstellung von Gegenwartsbezug und -relevanz, sagte Baumann.

Kuhn betonte, dass sich die Menschen fragen sollten, warum es auch heute wichtig ist zu wissen, was damals passierte. Sie sollten sich fragen, was die Geschichte der Juden mit ihnen persönlich zu tun hat. Bereits in der bisherigen Dauerausstellung hat die 34-Jährige als wissenschaftliche Mitarbeiterin Elemente integriert, mit deren Hilfe sie in den Dialog mit den Besuchern treten will. So gibt es eine Wand mit vielen bunten Zetteln, auf die Besucher geschrieben haben, was ihre Familie während des Nationalsozialismus gemacht haben. Mitte 2022 soll die neue Dauerausstellung eröffnen. 

Die Leitthemen Emanzipation, Assimilation und Akkulturation, Migration, jüdisches Alltagsleben, Holocaust, Erinnerungskultur und Aufarbeitung der NS-Zeit nach 1945 stehen fest. Zudem soll es um die „auf unschöne Weise aktuellen“ Themen Antijudaismus, Antisemitismus und Rassismus gehen. Durch den Abbau der Kunstschau verdoppelt sich laut Baumann die Fläche für die Dauerausstellung. Für die Umsetzung des Konzepts erhält das Museum rund 260 000 Euro von drei Stiftungen. Das Museum in Rendsburg gehört zu den ersten Jüdischen Museen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik gegründet worden sind.  

dpa

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