Haithabu und Dannewerk feiern Welterbestatus

Wikingerstätten erhalten Unesco-Urkunde

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Blick auf das Gelände der Wikingerhäuser von Haithabu: Die gesamte Schlei-Region möchte von der Aufmerksamkeit der Welterbestätten profitieren.

Busdorf/Dannewerk - Von Birgitta Von Gyldenfeldt. Der Jubel war riesig im vergangenen Jahr. Das Unesco-Welterbekomitee erklärte die Wikingerstätten Haithabu und Danewerk am 30. Juni auf seiner 42. Sitzung im arabischen Königreich Bahrain zum Welterbe der Menschheit. Ohne Diskussion nahm das Komitee die deutsche Bewerbung an. Die Stätte sei ein einzigartiges Zeugnis der Wikingerzeit und ihrer kulturellen Traditionen, hieß es zur Begründung.

Mit der Ernennung fand ein 14 Jahre dauernder Prozess ein Ende: Seit 2004 war der Welterbeantrag für Haithabu und das Danewerk vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein vorbereitet worden. Der erfolgreiche Anlauf war bereits der zweite. Einen internationalen Antrag von Wikingerstätten gemeinsam mit Island, Dänemark, Lettland und Norwegen hatte das Welterbekomitee 2015 zur weiteren Überarbeitung zurückgewiesen.

Ein Tiefschlag für die Schleswiger Archäologen. Doch sie ließen sich nicht entmutigen und entschieden, weiterzumachen und mit einem Einzelantrag an den Start zu gehen. Mit Erfolg. Mit der Altstadt von Lübeck und dem Weltnaturerbe Wattenmeer, das diesen Sommer zehn Jahre den Welterbestatus hat, hat Schleswig-Holstein nun drei ausgezeichnete Stätten.

Die Befestigungsanlage Danewerk und der Handelsplatz Haithabu gehören nach Ansicht der Unesco zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas. Das Danewerk bestand im Mittelalter aus Erdwällen, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk in der Schlei. Das Verteidigungssystem sicherte die Grenze des dänischen Reichs. Die Wikingerstadt Haithabu bei Schleswig war vom 9. bis 11. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas. Sie lag zwischen dem fränkischen und dem dänischen Reich auf einer wichtigen Route zwischen Nord- und Ostsee.

Jahrhundertelang wurden die Wikingerstätten zur Abgrenzung genutzt – „sei es zu Zeiten der Wikinger oder während späterer deutsch-dänischer Auseinandersetzungen“, schreibt die deutsche Unesco-Kommission auf ihren Internetseiten. Heute hingegen stünden Haithabu und das Danewerk für interkulturelle Begegnungen und insbesondere deutsch-dänischen Austausch.

Am Sonntag wird der Titel erneut gefeiert. Bei einem Festakt übergibt die Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering, die offizielle Unesco-Urkunde an Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist eine Menschenkette, die auf dem Halbkreiswall von Haithabu gebildet werden soll – als Zeichen für ein grenzenloses, friedliches und freizügiges Europa. Auch Günther, Müntefering und der dänische Botschafter Friis Arne Petersen wollen sich nach Angaben der Veranstalter in die Kette einreihen. Zudem feiert die gesamte Region den Tag über „ihr“ Welterbe mit verschiedenen Aktionen in den Gemeinden entlang der Wikingerstätten.

Die Region steht hinter dem Welterbe – und hofft auch auf mehr Gäste. Denn der Titel bringt nicht nur Renommee in Fachkreisen, sondern auch überregionale Aufmerksamkeit. Und die wollen die Touristiker sich ebenso wie die Authentizität der Welterbestätten zu Nutzen machen. So wurde pünktlich zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin im März die Kampagne „Wo dir Geschichten begegnen“ ins Leben gerufen und sowohl deutsch- als auch dänischsprachige Kanäle auf Facebook und Instagram installiert. Zudem wird mit neuen Hinweistafeln an der Autobahn 7 für einen Abstecher zum Unesco-Welterbe im Norden Schleswig-Holsteins geworben.  dpa

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