Der neue CDU-Landesvorsitzende Daniel Günther sieht gute Chancen, Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) bei der Landestagswahl am 7. Mai zu verdrängen. - Foto: dpa

Fraktionschef zum neuen Vorsitzenden der Landespartei gewählt

CDU will mit Günther zurück an die Regierung

Neumünster - Von Wolfang Schmidt. Die CDU im Land hat knapp ein halbes Jahr vor der Landtagswahl ihren vor drei Wochen eingeleiteten Führungswechsel vollzogen. Ein Parteitag in Neumünster wählte Fraktionschef Daniel Günther am Sonnabend auch zum Vorsitzenden der Landespartei. Der 43-Jährige bekam 209 Stimmen und schaffte damit gute 81 Prozent. 44 Delegierte votierten mit Nein, vier enthielten sich. Er hatte keinen Gegenkandidaten. Günther ist der fünfte Vorsitzende seit dem Abtritt von Peter Harry Carstensen 2010.

Er löste den an der Parteispitze blass gebliebenen Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing ab und soll auch an dessen Stelle Spitzenkandidat zur Landtagswahl am 7. Mai kommenden Jahres werden. Liebing (53) hatte mit seinem Rückzug die Konsequenz aus schlechten Umfragewerten und mangelndem Rückhalt gezogen. Er will nun auf Listenplatz zwei in den Landtag. Günther ist profilstärker als Liebing, äußert sich pointierter und behauptete sich nach der Wahl zum Fraktionschef vor zwei Jahren zunehmend als Oppositionsführer.

„Sehen wir das, was war, als Chance für Aufbruch und Neuanfang“, sagte Günther. Er forderte, an einem Strang zu ziehen, persönliche Befindlichkeiten oder Widerstände auf das Nebengleis zu schieben.

Die Landesregierung von SPD, Grünen und SSW bringe nichts auf die Reihe. „Aber es ist uns in den vergangenen Monaten auch gemeinsam nicht gelungen, die Menschen zu überzeugen, dass die CDU daran etwas ändern kann“, räumte Günther ein. „Eine echte Wechselstimmung haben wir noch nicht erreicht.“ Nun müsse die CDU Dampf bekommen, um die Wahl zu gewinnen. Nach Günthers dreiviertelstündiger Rede applaudierten die Delegierten mehr als zwei Minuten lang stehend.

Mit Spannung war Günthers Wahlergebnis erwartet worden, da er intern auch Kritiker und Gegner hat. „Ich bin wirklich sehr zufrieden“, sagte er nach der Wahl. In dieser Situation mehr als 80 Prozent zu bekommen, sei ein ausgesprochen gutes Ergebnis, auf das er stolz sei.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel dankte per schriftlichem Grußwort Liebing für dessen Arbeit und signalisierte Sorge um die Nord-CDU: „Jetzt heißt es, den Blick nach vorne zu richten, Geschlossenheit zu zeigen, Gemeinsamkeiten herauszustellen und mit Daniel Günther an der Spitze dafür zu kämpfen, dass die CDU aus der Landtagswahl als stärkste Kraft hervorgeht“.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière rief ungewöhnlich klar dazu auf, den neuen Vorsitzenden geschlossen zu unterstützen. „Ein guter neuer Trainer ist nichts wert, wenn die Mannschaft nicht mitspielt, und zwar geschlossen und loyal und ab jetzt und alle.“

Carstensen warnte ebenfalls eindringlich: Wenn auch Günther nicht genug Rückhalt bekomme, werde die CDU scheitern. Er habe die Schnauze voll von der jetzigen Regierung, die ein lustloser Ministerpräsident anführe. Günther sagte, er könne das Wort Geschlossenheit als Forderung von oben nicht mehr recht hören. Er wolle Geschlossenheit nicht einfordern.

Günther strebt eine Koalition mit FDP und Grünen an. Er sieht gute Chancen, Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) zu verdrängen. Auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki möchte eine „Jamaika“-Koalition. Die Grünen bekannten sich wiederholt zu einer Neuauflage des Bündnisses mit SPD und SSW.

Druck aus Berlin für seinen Rückzug habe es nicht gegeben, betonte Liebing. Er habe vielmehr erkennen müssen, dass er an den Grenzen seiner Möglichkeiten angekommen sei. „Das hat menschliche Größe und verdient Respekt und Anerkennung“, sagte dazu de Maizière.

Ihm sei es auch nicht gelungen, die erforderliche Durchschlagskraft zu erreichen und den für den Erfolg notwendigen Mannschaftsgeist zu entwickeln, sagte Liebing. „Keiner kann Erfolg haben, wenn er allein im Wind steht, auch das weiß jeder hier im Saal.“ Der Parteitag applaudierte Liebing zum Abschied zwei Minuten lang stehend.J dpa

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