„Wilma“ als Geheimwaffe

Kriminalhauptkommissarin Birthe Christiansen steht mit ihrem Mopsmischling „Wilma“ vor einer Polizeidienststelle.

Mops-Mischling „Wilma“ arbeitet bei der Polizei. Doch „Wilma“ ist keine klassische Polizeihündin, die herumschnüffelt. Vielmehr hilft sie Opfern von Gewaltdelikten.

VON WOLFGANG RUNGE

Heide – Kinder, die Opfer eines Sexualdelikts wurden, sind oft traumatisiert. Es fällt ihnen schwer, Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen. In solchen Fällen bringt Kriminalhauptkommissarin Birthe Christiansen bei Befragungen in Heide ihre „Geheimwaffe“ mit: „Wilma“. Denn der Mops-Mischling bricht offensichtlich das Eis.

„Auf Menschen, die Hunde mögen, wirkt der Kontakt beruhigend“, sagte die 32 Jahre alte Polizistin. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass Tiere positiv auf Menschen wirken. „Anders als ein Mensch ist ein Hund einfach da. Er fordert nichts, sondern vermittelt nur Vertrauen. Und dieses Vertrauen, dass die Menschen dem Hund entgegenbringen, überträgt sich zum Teil auf mich – dass sie mich sympathischer finden und offener mit mir umgehen.“

Diesen Zugang braucht Christiansen bei ihrer Arbeit im „Sachgebiet 1“, zuständig für Fälle wie Vergewaltigung oder Mord und Totschlag. Ihr Hauptaufgabenfeld sind Ermittlungen nach Vergewaltigungen und sexuellem Kindesmissbrauch. In solchen Fällen seien die Befragungen von Opfern oder Zeugen sehr schwierig, berichtete die Ermittlerin.

In ihrer Freizeit bemerkte die Frau, dass fremde Menschen sehr positiv auf ihren Hund reagierten. „Sie gucken, sie lächeln, und sie kommen auch mit mir ganz locker und ungezwungen ins Gespräch.“ Also überlegte sie, ob das nicht bei einer polizeilichen Befragung hilfreich sein könnte. „Denn wir haben nicht viel Zeit, die Menschen persönlich kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Das ist jedoch einfach notwendig, damit die Menschen einem ihre schweren Schicksalsschläge erzählen können“, erklärte die Polizistin. Da ist der Hund sozusagen das Bindeglied. „,Wilma‘ erleichtert einfach die Kontaktaufnahme.“

Daher ist der fünfjährige Mops-Mischling bereits vor der Befragung dabei. „Denn schon im Vorfeld gehört viel Zwischenmenschliches dazu. Das muss einfach passen. Wenn die Leute mich unsympathisch finden, brauchen wir im Prinzip gar nicht erst anfangen.“ Seit August war die Hündin bei rund 20 Gesprächen dabei.

„Von uns wird das Projekt unterstützt“, sagte der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Itzehoe, Peter Müller-Rakow. „Ein interessantes Projekt der Polizei, das wir gut finden“, erklärte Nils Meppen, Sprecher des Landgerichtsbezirks Itzehoe.

„Wilma“ ist eine Mischung aus Mops und Jack Russel. „Sie hat das Freundliche vom Mops und das Aufgedrehte, Quirlige vom Jack Russel“, erläuterte die Beamtin. Die zu Befragenden könnten mit „Wilma“ herumspielen. Doch nur vor und nach der Fragezeit. „Während der Befragung darf der Hund weder gestreichelt noch berührt werden“, sagte Christiansen. Der Grund sei einfach: „Wir wollen nicht, dass die Menschen beeinflusst werden oder abgelenkt sind.“ „Wilma“ sei kein Therapie-Hund, sondern „nur“ ein Begleithund. Er erleichtere es, in einer angespannten Situation das Eis zu brechen.

Gerade mit Kindern sei eine Befragung schwierig. „Die fangen an rumzuspielen, wollen einer unangenehmen Situation ausweichen. Deshalb sagen wir ihnen, dass ,Wilma‘ nur moralische Unterstützung ist: „Sie passt nur ein bisschen auf Dich auf, aber es wird nicht gespielt.“„ Die Hündin liege während der Befragung unbeteiligt auf ihrem Kissen. „Ich hab’ schon gehabt, dass kleine Kinder versuchen, sie zum Spielen zu animieren. Doch für ,Wilma‘ ist klar: Wenn sie auf dem Kissen liegt, findet das alles nicht statt. Solange, bis ich sage: Du darfst wieder.“

Bislang hat Christiansen nur positive Erfahrungen mit ihrer Hündin gesammelt. Und auch ihre Kollegen im Dezernat 1 „benutzen“ „Wilma“ immer wieder einmal: „Weil wir alle natürlich viele Sachen hören und sehen, die unschön sind. Immer wieder kommt mal ein Kollege rein und sagt: Ich muss nur mal kurz runterfahren. Dann streichelt er sie einen Augenblick und geht wieder raus. Also, auch uns tut das wirklich gut.“

Doch nicht nur Schleswig-Holsteins Polizei ist „auf den Hund gekommen“. In Baden-Württemberg können sich traumatisierte Opfer bei Gerichtsverhandlungen von einem Therapiehund begleiten lassen. Landesjustizminister Guido Wolf (CDU) hatte Anfang Dezember in Stuttgart das Modellprojekt präsentiert.

Im Land darf „Wilma“ zunächst für ein Jahr bei der Kripo in Heide arbeiten. Dann wird das Pilotprojekt „Vernehmungshund“ ausgewertet. Denn „Wilma“ ist kein Polizeihund. Er müsse in Schleswig-Holstein auch ein Schutzhund sein, erklärte Christiansen.  dpa

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