Fast die Hälfte des Stroms stammt aus erneuerbaren Energiequellen

Windkraft liefert wie nie – und dümpelt in der Flaute

Der Ausbau der sogenannten Onshore-Windkraft steht derzeit quasi still. Im ersten Quartal gingen 41 Windräder ans Netz – 90 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Foto: dpa

Kiel - Von Eckart Gienke. Die Entwicklung der Windenergie in Deutschland liefert zurzeit gegensätzliche und widersprüchliche Signale. Zum einen hat die Produktion von Windstrom einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auf der anderen Seite werden an Land so wenig neue Windräder errichtet wie seit Jahren nicht mehr.

In diesem Jahr (Stand 7. Mai) wurde bislang nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE annähernd die Hälfte des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen hergestellt, genau 46,8 Prozent. Den größten Anteil unter den verschiedenen Energieträgern lieferte der Windstrom an Land und auf See mit 27 Prozent, vor der Braunkohle mit 19,5 Prozent. Am Ostermontag, einem sonnen- und windreichen Feiertag, kamen mehr als drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen; der Wind-Anteil an der Gesamtproduktion betrug 40 Prozent. Das war ein neuer Rekordwert.

Das sagt noch nichts aus über die Bilanz am Jahresende, da die Produktionsleistungen der Wind- und Solarkraftwerke von den Witterungsbedingungen abhängen. Doch hoffen die Anhänger der Energiewende, dass die erneuerbaren Energien zum Ende des Jahres die 50-Prozent-Marke bei der Stromproduktion knacken. Im vergangenen Jahr lag ihr Anteil bei 40,6 Prozent.

Gleichzeitig ist der Ausbau der Windenergie an Land fast zum Erliegen gekommen. In den ersten drei Monaten des Jahres gingen nur 41 Windräder mit einer Leistung von 134 Megawatt ans Netz, gab die Fachagentur Windenergie an Land an. Das waren fast 90 Prozent weniger als im gleichen Quartal des Vorjahres und so wenig wie zuletzt im vergangenen Jahrhundert, als der Ausbau der Windenergie begann. In neun von 16 Bundesländern wurden gar keine neuen Windräder errichtet. Das ist der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, die bereits seit einem Jahr andauert.

Ursache für den starken Rückgang sind die Ausschreibungen und Zuschläge im Jahr 2017. In dem Jahr gingen mehr als 90 Prozent aller Förderzusagen an Bürger-Windprojekte, die emissionsrechtlich noch nicht genehmigt waren. Viele dieser Windparks, die eine gesetzliche Vorzugsbehandlung gegenüber professionellen Investoren genießen, werden voraussichtlich nicht gebaut. Von den 2 688 Megawatt Leistung, die auf diese Weise einen Zuschlag erhielten, hatten bis April erst 167 Megawatt eine Genehmigung, sodass sie überhaupt in Angriff genommen werden können. Von 730 Anlagen, die 2017 einen Zuschlag erhielten, sind erst 35 am Netz. Zudem verzögern nach Angaben der Fachagentur zahlreiche Klagen den Bau von Windrädern. dpa

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