Peter Schildwächter, Vorsitzender des Landesseniorenrats, sieht viele Parallelen zu den Anliegen junger Menschen

„Wir arbeiten nicht nur für uns allein“

Ehrenamtlich ganz bei der Sache der Senioren: Peter Schildwächter. J Foto: LST S-H e.V.

kiel - Von Katia Backhaus. International wird seit 1991 am 1. Oktober der Tag der älteren Menschen begangen. Vom Senioren-Flashmob über Infoveranstaltungen zu Vorsorgevollmachten bis hin zu Hör- und Sehmobilen planen auch die Städte im Land einige Aktionen. An mehr als einem Tag im Jahr setzt sich der Landesseniorenrat (LSR) für die Belange älterer Menschen ein. Im Gespräch: sein Vorsitzender Peter Schildwächter.

Was sind Ihrer Ansicht nach die derzeit drängendsten oder wichtigsten Anliegen des Landesseniorenrats?

Peter Schildwächter: Die Altersarmut die Sicherheit, die Versorgung im ländlichen Raum und die Integration der Migranten.

Wie arbeitet der Landesseniorenrat?

Schildwächter: Der Vorstand des LSR Schleswig-Holstein trifft sich einmal im Monat. Unterstützt wird der Vorstand durch acht Fachgruppen, die wie Ausschüsse arbeiten. Die zu behandelnde Thematik hat drei Gleise: Erstens, die aktuelle Situation – zum Beispiel Gewalt gegen Senioren, Gewalt in der Pflege. Zweitens, die Entwicklung von Strategien als Vorschläge für die Legislative. Und drittens, die Fortbildung der Mitglieder des Landesseniorenrats.

Sehen Sie sich nur als Vertreter der älteren Menschen im Land?

Schildwächter: Wir sind – auch wenn wir alle ehrenamtlich tätig sind – hoch motiviert, für die Sache der Senioren, der Migranten, der sozial Benachteiligten und der Bildungsfernen zu streiten. Wir arbeiten nicht nur für uns allein, sondern auch für die, die uns in den Seniorenstand nachfolgen. Für uns gilt das Motto: Zukunft gestalten mit Senioren. Der LSR ist auch mit dem Jugendrat sehr gut vernetzt. Die Anträge der Alten und der Jungen sind in bestimmten Themenbereichen fast deckend.

Können Sie dazu – also zur Deckungsgleichheit der Anträge von Jungen und Alten – ein Beispiel geben?

Schildwächter: Altersarmut. Die Jungen denken jetzt schon über ihre im Alter nicht mehr ausreichende Versorgung nach. Stichwort ist die Grundrente. Auch ein Thema: die Integration von Flüchtlingen und älteren Migranten. Es ist wichtig für uns, die Kultur der ausländischen Mitbürger zu verstehen. Darum wollen wir gemeinsam die Migranten auch in die Vorstände der Vereine bringen.

Was denken Sie über den Tag der älteren Menschen?

Schildwächter: Ich halte den Tag für sinnvoll. Das kann aber nur der Start für eine zukünftige Bewegung werden. Wir, die Alten, sind in Zukunft ein Drittel der Bevölkerung. Das ist ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor. Hier möchte ich mit dem LSR Schleswig-Holstein – und ich denke, das wollen alle Seniorenvertretungen – für die Zukunft ausgleichend wirken und gemeinsam mit Alt und Jung nach Lösungen suchen.

Was werden Sie an diesem Sonntag machen?

Schildwächter: Ich werde in Heide einen Informationsstand über die Arbeit des Landesseniorenrats ehrenamtlich betreiben.

Was ist der LSR?

Der Landesseniorenrat Schleswig-Holstein ist der Zusammenschluss der kommunalen Seniorenbeiräte im Land. Er vertritt die Interessen der älteren Generation gegenüber Landesregierung, Parlament und Öffentlichkeit. Seit 1989 tagt einmal im Jahr das sogenannte Altenparlament im Landtag. Daran nehmen auch Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände, des Sozialverbands Deutschland, der Gewerkschaften und Beamtenvertretungen sowie Abgeordnete der Landtagsparteien teil. Die Beschlüsse des Altenparlaments sind nicht bindend, dienen der Politik aber als Anregung.

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