Haithabu und Danewerk sind Weltkulturerbe

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Claus von Carnap-Bornheim (v.l.), Karin Prien und Jon Hardon Hansen stehen stolz vor der mittelalterliche Verteidigungsanlage Danewerk.

Manama/Dannewerk - Die Wikingerstätten Haithabu und Danewerk in Schleswig-Holstein gehören seit Samstag zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Tagungsleitung machte es kurz: „Any Comments? No?“ Ohne Diskussion nahm das Welterbekomitee die deutsche Bewerbung bei der Sitzung in der bahrainischen Hauptstadt Manama an.

Die Stätte sei ein einzigartiges Zeugnis der Wikingerzeit und ihrer kulturellen Traditionen, hieß es zur Begründung. Bei der deutschen Delegation brach nach der Entscheidung Jubel aus. Damit gibt es in Deutschland nun 44 Unesco-Welterbestätten – drei davon in Schleswig-Holstein.

Nur sechs Minuten und 36 Sekunden dauerte der Aufruf der Wikingerstätten. Professor Claus von Carnap-Bornheim hat die Zeit mitgestoppt. Bewegt und stolz steht der Geschäftsführende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf und Initiator der Bewerbung am Tag nach der Entscheidung am Danewerk. 

Gemeinsam haben von Carnap-Bornheim, Kulturministerin Karin Prien (CDU) und viele Wegbegleiter des Projekts „Weltkulturerbe“ hier gestern Vormittag die entscheidenden Minuten noch einmal nachverfolgt, bevor sie mit einem Glas Sekt auf den Erfolg anstießen. Er könne es kaum glauben, dass der 14 Jahre dauernde Prozess dann doch so plötzlich und schnell einen Abschluss findet, sagte von Carnap-Bornheim.

Seit 14 Jahren läuft das Projekt Weltkulturerbe

Seit 2004 war der Welterbeantrag für Haithabu und das Danewerk vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein unter seinem langjährigen Leiter von Carnap-Bornheim vorbereitet worden. Der jetzige Anlauf war bereits der zweite. Einen internationalen Antrag von Wikingerstätten gemeinsam mit Island, Dänemark, Lettland und Norwegen hatte das Welterbekomitee 2015 zur weiteren Überarbeitung zurückgewiesen. 

Für von Carnap-Bornheim war dies einer der Tiefpunkte seiner beruflichen Karriere, sagte er kürzlich. Die Schleswig-Holsteiner entschieden sich aber, weiterzumachen und mit einem Einzelantrag an den Start zu gehen. Mit Erfolg. Mit der hansestädtischen Altstadt von Lübeck und dem Weltnaturerbe Wattenmeer hat Schleswig-Holstein nun drei von der Unesco ausgezeichnete Stätten.

Ministerin Prien jubelte am Danewerk, „das ist Weltklasse. Wir können Weltkulturerbe“. Es sei eine wegweisende Entscheidung zur Stärkung des kulturellen Erbes in Schleswig-Holstein, in Deutschland aber auch weltweit. Die ganze Region, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und die Bürger hätten an einem Strang gezogen. Die Auszeichnung ist Ehre, aber eben auch Verpflichtung zugleich“, sagte die Ministerin. „Wir haben die Aufgabe es zu erhalten, es der Öffentlichkeit zu präsentieren, die Forschung darüber voranzubringen.“ 

Auch für die Landesplanung ist die Auszeichnung von Bedeutung

Prien betonte, die Auszeichnung ziehe auch Konsequenzen in der Landespolitik nach sich, etwa in der Windenergieplanung. „Wir werden das bei der Landesplanung berücksichtigen, damit wir der Verantwortung, die wir übernommen haben, auch gerecht werden können.“

Die Befestigungsanlage Danewerk und der Handelsplatz Haithabu gehören zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas. Das Danewerk bestand im Mittelalter aus Erdwällen, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk in der Schlei. 

Das Verteidigungssystem sicherte die Grenze des dänischen Reichs. „Das Danewerk hat über Jahrhunderte wie kein anderes Wahrzeichen die Abgrenzung zum Deutschen verkörpert“, sagte der Vorsitzende des kulturellen Dachverbands der dänischen Minderheit (Südschleswigscher Verein/SSF), Jon Hardon Hansen. „Deshalb ist es eine Ironie und ein Segen der Geschichte, wenn wir heute gemeinsam feiern, dass wir das Danewerk in deutsch-dänischer Eintracht bis hin zum Weltkulturerbe getragen haben.“ Was einst trennen sollte, verbinde heute.

Die Wikingerstadt Haithabu bei Schleswig war vom neunten bis elften Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas. Sie lag zwischen dem fränkischen und dem dänischen Reich auf einer wichtigen Route zwischen Nord- und Ostsee. 1897 wurde sie wiederentdeckt. 

Die ersten Ausgrabungen begannen um 1900. Die Stätte sei wegen ihrer reichen archäologischen Funde von wesentlicher Bedeutung für die Erforschung der Wikingerzeit, erklärte die Unesco. - dpa

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