Wird die „Poseidon“ Flüchtlingsschiff?

Die „Poseidon“ vom Geomar ist vor der Insel Pico do Fogo zu sehen. Die Entscheidung über die Zukunft des ausrangierten Kieler Forschungsschiffs steht an. Foto: Jens Klimmeck/Geomar/dpa

Kiel - Von Matthias Hoenig. Wird das frühere Kieler Forschungsschiff „Poseidon“ zum Flüchtlingsschiff des überwiegend kirchlichen Bündnisses „United4Rescue – gemeinsam retten“? Die Ausschreibungsfrist der Verwertungsgesellschaft des Bundes (Vebeg) endet heute um 13 Uhr. Das Bündnis habe einen „anständigen, vertretbaren Preis“ geboten, sagte der Sprecher der Gruppe, Joachim Lenz. Eine konkrete Summe nannte er nicht. Nach Medienberichten soll die „Poseidon“ einen Schätzwert von etwa einer Million Euro haben.

Es handelt sich nicht um eine Auktion, sondern um ein verdecktes Angebotsverfahren, erläuterte die Vebeg in Frankfurt. Die Zahl der Bieter und ihre Angebote werden erst nach Ablauf der Angebotsfrist übermittelt. Innerhalb von sieben Tage wird gemäß Vebeg-Geschäftsbedingungen der ausgewählte Bieter informiert. Die Vebeg selbst veröffentlicht dessen Namen nicht. Die 1976 in Dienst gestellte „Poseidon“ war bis 2019 im Einsatz des Kieler „Geomar – Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung“ und Vorgängerinstitutionen. Das rund 60 Meter lange Schiff war unter anderem im Atlantik und im Mittelmeer in zahlreichen Forschungseinsätzen unterwegs. Es sei bis zuletzt in einem technisch guten Zustand gewesen, sagte ein Geomar-Sprecher.

„United4Rescue“-Sprecher Lenz sagte: „Wir haben bisher keinen Gegenwind gegen unser Projekt gespürt, aber aus der Politik auch keinen Rückenwind bekommen“. Dem Bündnis gehören laut Lenz inzwischen rund 300 Partner an. Dazu gehören die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Mehrzahl der Landeskirchen, darunter die Nordkirche, aber auch die Musikband Revolverheld und der DGB.

Der Filmemacher Wim Wenders hat die Initiative mit seinem Namen und einer Spende unterstützt – wie Tausende Privatpersonen. „Einzelpersonen können aus praktischen Gründen formal nicht Bündnispartner werden, sondern nur Fördermitglied“, erläuterte Lenz. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) oder katholische Bistümer sind nicht Partner des Bündnisses. Allerdings unterstützen katholische Verbände die Initiative. Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, hat nach Angaben von Lenz aus seinem bischöflichen Verfügungsfonds 50 000 Euro zur Verfügung gestellt. Marx ist auch DBK-Vorsitzender.

Am 3. Dezember 2019 hatte sich in Hamburg das Aktionsbündnis „United4Rescue - Gemeinsam Retten“ konstituiert. Es unterstützt nach eigenen Angaben die zivilen Seenotrettungsorganisationen, „die im Mittelmeer dem Ertrinken von Menschen auf der Flucht nicht tatenlos zusehen, sondern da humanitär handeln und Menschenleben retten, wo staatliche Seenotrettung fehlt“.  dpa

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