Zahlreiche Störche in St. Peter-Ording / Vögel brüten in Kolonien

Wohnungsnot im Westküstenpark

Die Storchenpaare haben bereits alle vom Menschen vorbereiteten Nester belegt. Einige Vögel bauen nun selbst Brutstätten. Foto: dpa

St. Peter-Ording - Von Wolfgang Runge. Wenn es abends ruhiger wird in St. Peter-Ording, schweben Störche aus allen Richtungen zum Westküstenpark. An sämtlichen Ecken klappern dann ihre Schnäbel. Knapp 50 der weißen Vögel haben in diesem Jahr ihr Domizil in dem Tierpark. Viele Nester werden schon seit Jahren genutzt, wurden immer wieder ausgebessert und vergrößert. Mittlerweile sind alle von den Menschen vorbereiteten Nistplätze belegt. Doch immer noch kommen Nachzügler. Und bleiben trotz der „Wohnungsnot“.

Wer keinen freien Horst findet, baut sich eben ein neues Nest. Gerne auch unmittelbar neben einem „Altbau“. Denn „der Weißstorch brütet gerne gemeinsam mit Artgenossen in einer Kolonie“, sagt Zoodirektor Peter Marke. Ein Brutverhalten, das man in Deutschland heute kaum sieht. Zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen ist der Weißstorch meist nur als Einzelbrüter bekannt.

Dabei gab es in der Vergangenheit auch hier immer wieder Orte, an denen sich der Weißstorch in Gruppen oder Kolonien angesiedelt hat, weiß Marke. Heute sieht man sowas immer noch in südlichen Bereichen. Zum Beispiel die Störche von Marrakesch in Marokko. Dort besetzen hunderte der weißen Vögel auf alten Gebäuden und Moscheen fast jede Zinne mit einem Nest.

Entsprechendes sieht man jetzt auch in St. Peter-Ording. „Im Westküstenpark haben sich im Laufe der Jahre immer mehr Weißstörche niedergelassen“, sagt Marke. Und die suchen offensichtlich die Nähe ihrer Artgenossen. „Nachzügler beginnen, sich auf den Dächern der Volieren eigene Nester zu bauen“ – zum Teil nur eine Schnabel-Länge entfernt vom Nachbar-Horst. „Das ist vielleicht eine Novität bei uns.“

Aktuell brüten im Westküstenpark 22 Storchenpaare. 27 Junge hat Jörg Heyna von der Nabu-Arbeitsgruppe Storchenschutz in den Nestern gezählt. „Wir sind für Weißstörche ein Hotspot“, sagt Marke. Anhand der Ringe weiß er, dass sich die Zusammensetzung „seiner“ Kolonie ständig ändert. So kommen immer wieder auch „fremde“ Störche zum Brüten nach St. Peter-Ording. Der Weißstorch ist entgegen ursprünglicher Annahmen nicht grundsätzlich standorttreu, so seine Beobachtungen. „Wo die ,Liebe‘ hinfällt, bleiben sie hängen.“

Einen Wettstreit um das „größte“ Storchendorf will Marke nicht anzetteln. „Es geht nicht um die Storchpopulation von St. Peter-Ording oder von Bergenhusen. Ausschlaggebend ist, dass in der ganzen Region Weißstörche sind in einer entsprechenden Zahl, die sich selbst trägt und erhält.“ Entsprechend freut er sich, dass die Störche sich kreisförmig vom Westküstenpark aus ausbreiten.

Dabei nehmen sie nicht jeden Platz an, der ihnen von Menschen als vermeintlich ideal angeboten wird mit freiem Blick über das Land, und der Möglichkeit, ungehindert an- und abfliegen zu können. „Sie bauen sich lieber Eigenes in einer abgebrochenen Pappel oder in einer Kopfweide“, sagt Marke: „Man kann trefflich streiten, was ideal ist für den Weißstorch, aber letztendlich entscheiden das die Störche selber.“  dpa

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