Tier soll nun erschossen werden

Für den Wolf wird es eng

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Der Wolf im Visier: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume genehmigt Antrag zur „Entnahme“.

Nur zwei Wölfe sind bislang in Schleswig-Holstein zu Hause. Einer von ihnen hat mehrfach Schafe sogar hinter Zäunen gerissen. Deshalb soll das Tier nun erschossen werden - die Behörden sprechen von „Entnahme“.

Kiel - Ein als verhaltensauffällig geltender Wolf im südlichen Schleswig-Holstein ist zum Abschuss freigegeben. Das Tier wird für mehrere Schafsrisse hinter wolfssicheren Zäunen im Kreis Pinneberg verantwortlich gemacht. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) genehmigte am Donnerstag einen entsprechenden Antrag des Umweltministeriums. Er ist räumlich eingegrenzt und zunächst auf vier Wochen befristet. „Es ist aber kein Selbstläufer, dass es auch zur Entnahme kommt“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Denn diese erfolge „nicht auf Knopfdruck“. 

Im Bereich Pinneberg hatte es seit Ende November acht Risse gegeben, bei denen Tiere als wolfssicher geltende Zäune überwanden. Für sechs der Fälle ist der Wolf mit der Kennung „GW 924m“ laut DNA-Untersuchungen verantwortlich. Bei den beiden jüngsten Vorfällen von Mitte Januar in Westerhorn und Heede steht das Ergebnis noch aus. Laut Umweltministerium gab es gleich mehrere Anträge auf Abschuss des Wolfs. Das soll nun eine Gruppe von Fachleuten unter Einbeziehung des Landesjagdverbands übernehmen. Die Anonymität der Jäger müsse gewährleistet sein, sagte Albrecht. Angesichts umfassender Präventionsmaßnahmen und erheblicher wirtschaftlicher Schäden sei ein Abschuss trotz des strengen Artenschutzes erlaubt. „Es besteht zudem die Gefahr, dass der Wolf sein Verhalten an Nachkommen weitergibt und damit die Risszahlen trotz umfassender Herdenschutzmaßnahmen deutlich steigen“, sagte der Minister. Das wäre für die Akzeptanz des Rückkehrers ein Problem.

Der aus Dänemark nach Schleswig-Holstein gekommene Rüde hat bereits mehrfach Schafe außerhalb von wolfssicheren Zäunen gerissen. Er hält sich seit Juni nachweislich in der Region auf. Laut Ministerium liegen von dem Tier 17 genetische Einzelnachweise vor. Hinweise auf andere Wölfe dort seien nicht bekannt.

Die SPD-Umweltpolitikerin Sandra Redmann bezeichnete die Abschussgenehmigung als notwendig. „Sie darf aber nach wie vor nur die letzte Konsequenz sein, wenn alle möglichen Schutzmaßnahmen zuvor nicht gegriffen haben.“ Deshalb sei es wichtig, dass Schafhalter ihrer Verantwortung gerecht würden und ihre Tiere mit Zäunen schützten. Auch FDP und CDU bezeichneten die Entscheidung als folgerichtig.

In Niedersachsen war 2016 ein sogenannter Problemwolf getötet worden. Das Tier hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil es sich immer wieder Menschen bis auf wenige Meter genähert hatte und auch einen angeleinten Hund gebissen haben soll. Versuche, den Wolf zu vergrämen, waren fehlgeschlagen.  

dpa

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