Veranstalter der Karl-May-Spiele brechen Premiere wegen Unwetters ab

Wolkenbruch im Wilden Westen

Nach der Pause musste die Premiere „Der Schatz im Silbersee“ der Karl-May-Spiele wegen Starkregens abgebrochen werden. - Foto: dpa
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Nach der Pause musste die Premiere „Der Schatz im Silbersee“ der Karl-May-Spiele wegen Starkregens abgebrochen werden.

Bad Segeberg - Von Dorit Koch. Der Wilde Westen am Kalkberg ist nicht echt, in der Arena spricht Winnetou dennoch wahre Worte. „Aus einem Himmel mit Wolken kann schnell ein gefährlicher Sturm werden“, mahnt der Apachenhäuptling – da lacht das Publikum im Freilichttheater von Bad Segeberg noch, Blutsbruder Old Shatterhand schmunzelt.

Ihre Regenumhänge haben die Zuschauer zwar bereits übergezogen, aber noch regnet es nur leicht. Die Premiere zum Start der Karl-May-Spiele ist am Samstagabend in vollem Gange, als ein wichtiger Mitspieler beim Open-Air-Spektakel dann plötzlich doch nicht mehr mitmacht: der von den Veranstaltern gern beschworene Wettergott. Ein Wolkenbruch führt zum Abbruch der Premiere.

„Bei diesem sintflutartigen Regen, der da plötzlich einsetzte, konnten wir nur absagen. Es gab keine Alternative“, sagte Geschäftsführerin Ute Thienel später. Trotz der Wetterkapriolen im Vorfeld waren rund 7.000 Zuschauer gekommen. „Die Wege stehen unter Wasser, die Arena steht unter Wasser – es ist eine große Gefährdung für Mensch und Tier“, so Thienel. Seit 16 Jahren sei sie Geschäftsführerin, könne sich aber an keine abgebrochene Premiere erinnern.

Vor Beginn der Show – der Klassiker „Der Schatz im Silbersee“ steht in diesem Sommer auf dem Programm – ernannten die Macher des Open-Air-Spektakels Gojko Mitic zum Ehrenhäuptling. „Er hat in unserem Theater voller Leidenschaft für das Gute gekämpft“, würdigte Thienel den 76-Jährigen, der von 1992 bis 2006 Hauptdarsteller war. Mitic habe die Rolle zur Rolle seines Lebens gemacht. „Er war 15 Jahre lang unser Winnetou. Die Karl-May-Spiele verneigen sich vor einem Freund“, sagte Thienel – und schon erhob sich das Publikum.

Zur berühmten Filmmelodie und unter dem Jubel der Zuschauer betrat der Schauspieler die Arena und nahm die Ehrung entgegen. Sein Name als Ehrenhäuptling: „Der mit dem Herzen spricht“. Eigentlich habe er mit dem Pferd kommen wollen, sagte der einstige Star der DDR-Indianerfilme. „Aber alle Pferde sind besetzt“, witzelte er. „Die Kollegen warten ungeduldig auf ihren Auftritt.“ Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) war es dann, der den Startschuss gab – zur 16. Inszenierung von Norbert Schultze jr., in die die Festspielmacher 4,5 Millionen Euro gesteckt haben.

Es ist die 65. Saison, in der Bad Segeberg Karl May spielt. Dabei hätten es statt Winnetou und Old Shatterhand auch Siegfried und Brunhilde sein könne, die am Kalkberg Jubiläum feiern. Eine Hamburger Theatergruppe schlug Anfang einst vor, die Nibelungen-Sage aufzuführen. Doch die Stadtvertretung stimmte geschlossen für Karl May: Nach viermonatiger Vorbereitung wurde 1952 mit „Winnetou“ die ersten Saison eröffnet. Seither ist der Wilde Westen im hohen Norden immer größer und beliebter geworden. Die drei vergangenen Spielzeiten waren die erfolgreichsten, der Sommer 2015 brachte den Rekord von 346 677 Zuschauern.

Offensichtlich scheint der aktuelle Winnetou eine Glücksfee zu sein, ritt Schauspieler Jan Sosniok (48) doch genau in jenen drei Erfolgsjahren auf Iltschi durch die Arena. 2013 hatte er die Nachfolge von Erol Sander angetreten (2007-2012). Zwei große Namen standen davor: Der Held von 1988 bis 1991 war Pierre Brice – seit den legendären Verfilmungen, die RTL jüngst neu in Szene setzte, der Winnetou schlechthin. Nach Brice, der 2015 starb, stellte Mitic von 1992 bis 2006 seine Rekordzeit auf.

Es gibt drei neue Gaststars: Till Demtrøder (49) als Old Shatterhand, Susan Sideropoulos (35) als Ingenieurin und Oliver Stritzel (59) als Bösewicht Cornel Brinkley. Zwischen Pulverdampf und Pyrotechnik, Schießereien und Stunts und rasanten Reitkünsten lieferten sie einen gelungen Einstand – auch wenn der vorzeitig beendet wurde. „Ich bin tieftraurig, ich hatte mich extrem auf die Premiere gefreut“, so Demtrøder. Zuversichtlich ist er dennoch. „Dadurch, dass ich ja weiß, wie schön es hier sein kann, freue ich mich eben auf 71 weitere Vorstellungen.“ - dpa

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