Zehn Jahre Haft für Tötung der Bekannten

Flensburg - Von Birgitta Von Gyldenfeldt. Schwer atmend nimmt der Angeklagte das Urteil auf. Aus dem Publikum sind vereinzelt zustimmende Äußerungen zu hören, als der Vorsitzende Richter der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Flensburg, Mathias Eggers, die Entscheidung verkündet: Zehn Jahre Haft wegen Totschlags.

Die Kammer habe überhaupt keine Zweifel daran, dass der 63 Jahre alte Angeklagte am 31. Juli 2019 in Jübek (Kreis Schleswig-Flensburg) eine 25 Jahre alte Bekannte in deren Wohnung erstochen hat, sagte Eggers. Die Kammer verurteilte den Angeklagten damit zu einer deutlich höheren Strafe als von Verteidigung, aber auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage gefordert worden war. Der Strafrahmen für Totschlag liegt zwischen fünf und 15 Jahren. Der Angeklagte kündigte nach der Urteilsverkündung an, er werde in Revision gehen.

Der Mann, dem ein Gutachter eine leichte Intelligenzminderung attestiert hatte, ist mit dem Lebensgefährten der jungen Frau bekannt, war regelmäßig bei dem Paar zu Besuch. Am Tattag war der Freund des späteren Opfers nicht da, sondern bei der Arbeit in Ostholstein. Dies habe der Angeklagte gewusst, sagte Eggers. Der Angeklagte hatte die Tat gegenüber den Nachbarn, die ihn im Anschluss festhielten, der Polizei und auch in der Hauptverhandlung vehement bestritten. Vielmehr habe ihn das Opfer kurz zuvor angerufen, damit er vorbeikomme. Als er die Wohnung betreten habe, habe sie schon leblos am Boden gelegen, schilderte er es. Auch will er sie nicht berührt haben.

„Diese Darstellung ist 100 Prozent widerlegt“, sagte Eggers. Etwa durch eine Zeugin, die die Tat beobachtet und das Gesehene in der Verhandlung detailliert, differenziert und ohne Belastungstendenzen geschildert hat, sagte Eggers. Den Anruf des Opfers hat es demnach nachweislich nicht gegeben, dafür wurden DNA von Täter und Opfer an der Tatwaffe gefunden sowie DNA und Blut des Opfers an der Kleidung des Angeklagten.

Der Mann ist nach Ansicht des Gerichts voll schuldfähig. Eggers nahm sich viel Zeit, um zu erklären, warum seine Kammer den Mann zu drei Jahren mehr als von der Staatsanwaltschaft gefordert, verurteilte.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten eine Haftstrafe von sieben Jahren, die Verteidigung von sechs Jahren gefordert. Alle hatten bei der Strafzumessung mehr Punkte gesehen, die für den Angeklagten, als gegen ihn sprachen.  dpa

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