Neues Forschungsprojekt

Verklappte Munition: Zeitbomben im Meer

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in Taucher vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel nähert sich in der Kolberger Heide in der Ostsee einem versenkten Munitionsrest.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg in Nord- und Ostsee verklappten Munitionen rosten auf dem Meeresgrund. Das hat Folgen für die Meeresbewohner, aber auch für den Menschen, zeigt ein Forschungsprojekt . Wie soll mit den Kampfmitteln künftig umgegangen werden?

Kiel - Die Gefahren für Meeresbewohner und Menschen durch in Nord- und Ostsee verklappte Munition werden künftig steigen. „Das Problem wird größer, je mehr die Metallhüllen der Kampfmittel wegrosten“, sagte Toxikologe Edmund Maser Donnerstag in Bremerhaven auf der Abschlusskonferenz zum Forschungsprojekt „Daimon“.

Jens Sternheim, Vorsitzender der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Munition im Meer, forderte deshalb eine systematische Überwachung der von den Alliierten versenkten Munition. „Wir brauchen von der Politik ein proaktives Verhalten und kein Abwarten mehr wie in den letzten 70 Jahren“, sagte er.

In der deutschen Nord- und Ostsee liegen rund 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und chemische Waffen aus Weltkriegszeiten. Drei Jahre lang forschten internationale Wissenschaftler im Projekt „Daimon“ zu den Risiken, die von versenkten Kampfstoffen in der Ostsee ausgehen.

Im Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide in der Kieler Bucht wurde der Plattfisch Kliesche untersucht. Bei einem Viertel der Tiere wurden Lebertumore gefunden, sagte Thomas Lang vom Thünen-Institut für Fischereiökologie.

„Ergebnis kein Zufall“

In unbelasteten Gebieten habe die Rate bei knapp fünf Prozent gelegen. Es sei nicht auszuschließen, dass das aus der Munition stammende, krebserregende TNT dafür ursächlich sei. „Wir sind uns sicher, dass das Ergebnis kein Zufall war“, sagte Lang. In einem anderen Feldversuch hatten Toxikologe Maser und sein Team von der Uni Kiel Muscheln in die Nähe von wenig durchgerosteten Minen gehängt und zum Vergleich an freiliegenden Sprengstoffen. „In dem letzteren Gebiet haben wir einen 50-fach höheren Eintrag von chemischen Substanzen in den Muscheln gemessen. Das war auch für uns sehr überraschend“, sagte Maser. Das Ergebnis verdeutliche, dass die Gefahr durch den Altersprozess bei den Munitionen künftig steigen werde. Giftige Substanzen könnten ungehindert austreten. Dies führe zu einer Gesundheitsgefährdung der Meerestiere und über den Fischfang auch für den Verbraucher.

Die Wissenschaftler sehen deshalb Handlungsbedarf. Was mit der Munition geschehen soll, müsse aber von Fall zu Fall entschieden werden, sagte „Daimon“-Projektleiter Jacek Beldowski. Bei manchen Kampfmitteln sei es besser, sie unberührt zu lassen. Andere sollten geborgen und entsorgt werden.

Die Ostsee und die darin verklappte Munition, überwiegend aus dem Zweiten Weltkrieg, haben Wissenschaftler bereits seit 2006 im Visier. Seit Ende 2018 widmen sich Forscher auch der Nordsee. Matthias Brenner vom Alfred-Wegener-Institut sagte, beide marinen Systeme seien zwar sehr unterschiedlich. Dennoch könnten die Ostsee-Ergebnisse in vielen Bereichen für die Nordsee übernommen werden.  

dpa

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